
Die Debatte um Sterbehilfe

Ein Wunsch nach Frieden
Marie ist 45 Jahre alt und leidet seit Jahren an einer schweren Form von ALS, einer Krankheit, die ihre Muskeln nach und nach lähmt. Sie kann kaum noch sprechen oder sich bewegen. Jeden Tag hat sie unerträgliche Schmerzen. Ihre Familie ist verzweifelt, weil sie ihr nicht helfen kann. Marie wünscht sich nichts sehnlicher als ein Ende ihrer Qualen. Sie möchte Sterbehilfe in Anspruch nehmen, doch in ihrem Land ist das nicht erlaubt. Sie fühlt sich gefangen in ihrem eigenen Körper und sieht keinen Ausweg. Ihre Ärzte und Angehörigen versuchen, ihr Mut zu machen, aber Marie hat ihren Lebenswillen verloren. Sie möchte in Würde sterben, aber das Gesetz zwingt sie, weiterzuleben. Diese Situation belastet sie und ihre Familie sehr, und sie fragt sich, warum ihr Wunsch nach Frieden nicht erfüllt werden kann.
Wie geht es Marie mit ihrer Krankheit? Könnt ihr ihren Wunsch nach Sterbehilfe nachvollziehen?
Überlegt gemeinsam in der Klasse.

Lies dir die folgenden Zitate zum Thema Sterbehilfe durch. Welches sagt dir am meisten zu? Welches am wenigsten?
- „Jeder Mensch hat das Recht, über sein eigenes Leben und Sterben zu bestimmen.“
- „Das Leben ist ein Geschenk, über das wir nicht einfach selbst verfügen dürfen.“
- „Sterbehilfe kann Menschen unnötiges Leiden ersparen und ihnen ein würdiges Ende ermöglichen.“
- „Medizin sollte sich darauf konzentrieren, Leben zu retten und Leiden zu lindern – nicht darauf, es zu beenden.“
Lies den Text zur Sterbehilfe und beantworte im Anschluss die Fragen.
Sterbehilfe: Ein Überblick
Sterbehilfe bedeutet, dass jemand hilft, das Leben einer Person zu beenden, die schwer krank ist und nicht mehr leben möchte. Es gibt verschiedene Formen der Sterbehilfe: aktive Sterbehilfe (gezielte Tötung auf Wunsch), passive Sterbehilfe (Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen), indirekte Sterbehilfe (Schmerzlinderung, die den Tod beschleunigt), und assistierter Suizid (Hilfe zur Selbsttötung).
In Deutschland ist die rechtliche Lage komplex. Aktive Sterbehilfe ist verboten. Assistierter Suizid war zeitweise auch verboten, aber das Bundesverfassungsgericht hat 2020 entschieden, dass man selbst über sein Lebensende bestimmen darf. Daher ist assistierter Suizid unter bestimmten Bedingungen möglich.
In der Schweiz ist aktive Sterbehilfe ebenfalls verboten, aber assistierter Suizid ist erlaubt, solange der Helfer keine egoistischen Motive hat. In Belgien und den Niederlanden ist aktive Sterbehilfe unter strengen Auflagen erlaubt. In diesen Ländern müssen Ärzte sicherstellen, dass der Patient freiwillig und gut informiert ist und keine andere Lösung für sein Leiden existiert.
Sterbehilfe bleibt ein umstrittenes Thema, bei dem ethische, moralische und rechtliche Aspekte sorgfältig abgewogen werden müssen.
Kreuze die richtige Antwort an.

Diskussionsrunde über Sterbehilfe
Sterbehilfe ist eines der kontroversesten ethischen und gesellschaftlichen Themen unserer Zeit. Während Befürworter:innen das Recht auf selbstbestimmtes Sterben betonen, warnen Gegner:innen vor möglichen Missbrauchsrisiken und ethischen Grenzen. Die Debatte berührt medizinische, rechtliche, religiöse und persönliche Aspekte und stellt die Frage, wie weit individuelle Autonomie reichen sollte.
In dieser Diskussion werdet ihr verschiedene Perspektiven einnehmen und aus der Sicht unterschiedlicher Rollen argumentieren. Jede:r von euch hat eine zugewiesene Rolle und vertritt eine bestimmte Position – unabhängig von der eigenen Meinung. Ziel ist es, die verschiedenen Argumente kennenzulernen, sie kritisch zu hinterfragen und zu verstehen, warum dieses Thema so umstritten ist.
Deine Rolle:

Ärztin

Vorbereitung der Gruppendiskussion
Du übernimmst in dieser Diskussion die zugewiesene Rolle und vertrittst deren Position zum Thema Sterbehilfe. Deine Aufgabe ist es, in Einzel- oder Gruppenarbeit Argumente vorzubereiten, die diese Rolle bestmöglich unterstützen.
Arbeitsaufträge:
- Überlege dir, welche Werte, Interessen und Argumente deine Rolle prägen. Versuche dich dafür in die Person hineinzuversetzen. Dabei kann bei manchen Rollen eine Internet-Recherche hilfreich sein.
- Entwickele mindestens drei zentrale Argumente, die deine Position stützen.
- Überlege dir auch mögliche Gegenargumente und bereite Antworten darauf vor.
Denk daran: Du musst dich nicht mit der Meinung deiner Rolle identifizieren – Ziel ist es, verschiedene Perspektiven kennenzulernen und kritisch zu hinterfragen.
Notiere hier die Argumente und Gegenargumente für deine Rolle:
Hier noch ein paar Thesen und Fragen, die in der Diskussion hilfreich sein können:
Debattenstarter zur Rolle der Ärztin
- These: "Sterbehilfe sollte erlaubt sein, weil jeder Mensch das Recht hat, über sein eigenes Leben und Sterben zu entscheiden."
- Frage: "Welche ethischen und moralischen Fragen müssen wir berücksichtigen, wenn wir über die Legalisierung der Sterbehilfe nachdenken?"
- These: "Es ist wichtiger, bessere palliative Maßnahmen und Schmerztherapien zu entwickeln, anstatt Sterbehilfe zu erlauben."
Viel Spaß beim Diskutieren!

In diesem Rollenspiel setzen sich die Lernenden kritisch und reflektiert mit den ethischen und rechtlichen Aspekten der Sterbehilfe auseinander. Sie lernen, verschiedene Perspektiven einzunehmen, sachlich zu argumentieren und ihre eigene Meinung auf der Grundlage fundierter Informationen zu entwickeln. Für die 9. und 10. Klasse. Erstelle eine Gruppendiskussion mit selbstgewählten Rollen. Info: Je nach Klassengröße bietet es sich an Rollen mehrfach zu vergeben. Dann können die Schüler:innen die Argumente gemeinsam in Partner- bzw. Gruppenarbeit herausarbeiten. Damit die Diskussion übersichtlich bleibt, empfiehlt es sich, maximal 5 Rollen zu vergeben.