Werkzeugkasten Drama: Szenen- und Dialogstrukturen erschließen

Werkzeugkasten Drama: Szenen- und Dialogstrukturen erschließen

Zielsetzung: Das übergeordnete Lernziel besteht darin, die grundlegenden Werkzeuge der Dramen- und Dialoganalyse intensiv kennenzulernen und sich sachlich sowie kritisch mit der Struktur und Wirkung szenischer Texte auseinanderzusetzen. Die Lernenden sollen befähigt werden, eine Szene nicht als isoliertes Element, sondern in ihrer funktionalen Einbettung (Vorgeschichte, Funktion, Nachwirkung) zu verstehen. Ein zentrales Ziel ist die Entwicklung einer objektiven Analysefähigkeit für Machtkonstellationen und Sprechstrategien, die als universelles methodisches Rüstzeug auf verschiedene Epochen und Werke übertragbar ist.


Inhalte und Methoden: Das Arbeitsblatt nutzt einen systematischen Analyseprozess, der von der inhaltlichen Erfassung bis zur szenischen Vision führt. Methodisch erfolgt die Erschließung über die „Vogelperspektive“ (W-Fragen zum Kernkonflikt), die Visualisierung von Machtgefügen mittels eines „Beziehungs-Radars“ sowie eine detaillierte Dialog- und rhetorische Analyse. Ein handlungsorientierter Fokus wird durch die Erstellung eines Regie-Konzepts (Bühnenbild, Kostüme) gesetzt. Den Abschluss bilden eine fundierte Deutungshypothese und ein kreativer Perspektivwechsel durch einen inneren Monolog. Der variable Auszug dient dabei als austauschbare Grundlage für dieses methodische Training.


Kompetenzen:

  • Text- und Analysekompetenz: Sicherer Umgang mit Fachbegriffen der Dramenanalyse sowie die Fähigkeit, Dialogstrukturen und rhetorische Mittel funktional zu deuten
  • Methodenkompetenz: Anwendung grafischer Verfahren (Beziehungs-Radar, Mindmapping) zur Strukturierung komplexer literarischer Sachverhalte
  • Interpretationskompetenz: Ableitung von schlüssigen Deutungshypothesen unter Einbeziehung von Kontextwissen und Textbelegen
  • Szenische Gestaltungskompetenz: Transfer von literarischen Vorlagen in visuelle und räumliche Inszenierungsideen (Regie-Perspektive)
  • Empathie und Perspektivübernahme: Mediale Umsetzung nonverbaler Gedankenprozesse durch kreatives Schreiben (innerer Monolog)


Zielgruppe und Niveau:

Oberstufe

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Target group and level

Oberstufe

Subjects

German

Werkzeugkasten Drama: Szenen- und Dialogstrukturen erschließen

Das Bild zeigt eine dramatische Szene in einem alten, prunkvollen Theater mit mehreren Rängen, die von rotem Samt und vergoldeter Ornamentik geprägt sind. Das Bühnenbild dominiert im Zentrum, wobei der schwere, teils zerrissene Vorhang halb geöffnet ist. Zwei große Schilder an den Vorhängen tragen die Aufschriften „DRAMEN: BRECHT GOETHE LESSING“ und „STURM UND DRANG“, was auf die berühmten deutschen Dramatiker und die literarische Epoche hinweist.

Im Vordergrund agieren zahlreiche Figuren in historischen Kostümen, die typische Rollen aus klassischen Dramen repräsentieren könnten:
- Links sitzt ein junger Mann im Mittelpunkt eines Lichtstrahls auf einem Stein, was ihn sichtlich hervorhebt und auf einen Protagonisten weist.
- Daneben stehen zwei ältere Herren im Gespräch, einer davon scheinbar als Geistlicher gekleidet, der andere in dunklem Mantel mit Teufelshörnern—möglicherweise eine Anspielung auf Faust und Mephisto aus Goethes „Faust“.
- Eine Frau in schlichter Kleidung und Kopftuch zieht einen Handwagen, wohl Sinnbild für das einfache Volk, das oft in sozialkritischen Dramen wie denen von Brecht thematisiert wird.
- Rechts steht ein älterer Mann mit jüdischer Kopfbedeckung, der eine Waage oder Ringe in der Hand hält, was eine Referenz an Lessings „Nathan der Weise“ sein könnte.
- Rechts neben ihm stehen mehrere Figuren in aufwendigen Rokoko-Kostümen, die in ein Gespräch vertieft sind, was für höfische Intrigen oder Liebesgeschichten, typische Motive des Sturm und Drang und der Klassik, sprechen könnte.
- Im Hintergrund sieht man weitere Nebenfiguren, die die Szene abrunden: Musiker, Bürger, eventuell ein Komödiant oder eine Dienerfigur.

Das Theater wirkt alt, abgenutzt und atmosphärisch, was die Dramatik und Geschichtsträchtigkeit der dargestellten Stücke unterstreicht. Die Lichtführung – besonders der einzelne Strahl auf den Mann links – erzeugt eine besondere Bühnenwirkung und lenkt den Blick gezielt auf zentrale Figuren.

Insgesamt fängt das Bild auf eindrucksvolle Weise die Welt des deutschsprachigen Dramas ein, insbesondere der Werke und Epochen von Brecht, Goethe und Lessing, und verbindet klassische und gesellschaftskritische Motive auf einer dramatischen Theaterbühne.
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Die „Vogelperspektive“

Eine Szene ist nie isoliert. Sie hat eine Vorgeschichte (was passierte direkt davor?), eine Funktion (treibt sie die Handlung voran oder charakterisiert sie eine Figur?) und eine Nachwirkung.

Arbeitsauftrag: Lies den folgenden Auszug aus dem Werk aufmerksam. Fasse anschließend den vorliegenden Auszug kurz zusammen. Beantworte dabei die W-Fragen:

  • Wer handelt/spricht?
  • Wo und wann findet das Geschehen statt?
  • Was ist der Kernkonflikt dieses Auszugs?
  • Welche Funktion hat der Auszug für den weiteren Verlauf des Dramas?

Erster Aufzug, vierter Auftritt

Daja eilig herbei. Nathan.

Daja. O Nathan, Nathan!

Daja. Er läßt sich wieder sehn! Er läßt Sich wieder sehn!

Nathan. Wer, Daja? wer?

Daja. Er! Er!

Nathan. Er? Er? – Wann läßt sich der nicht sehn! – Ja so, Nur euer Er heißt er. – Das sollt' er nicht! Und wenn er auch ein Engel wäre, nicht!

Daja. Er wandelt untern Palmen wieder auf Und ab; und bricht von Zeit zu Zeit sich Datteln.

Nathan. Sie essend? – und als Tempelherr?

Daja. Was quält Ihr mich? – Ihr gierig Aug' erriet ihn hinter Den dicht verschränkten Palmen schon; und folgt Ihm unverrückt. Sie läßt Euch bitten, – Euch Beschwören, – ungesäumt ihn anzugehn. O eilt! Sie wird Euch aus dem Fenster winken, Ob er hinauf geht oder weiter ab Sich schlägt. O eilt!

Nathan. So wie ich vom Kamele Gestiegen? – Schickt sich das? – Geh, eile du Ihm zu; und meld ihm meine Wiederkunft. Gib acht, der Biedermann hat nur mein Haus In meinem Absein nicht betreten wollen; Und kömmt nicht ungern, wenn der Vater selbst Ihn laden läßt. Geh, sag, ich laß ihn bitten, Ihn herzlich bitten …

Daja. All umsonst! Er kömmt Euch nicht. – Denn kurz; er kömmt zu keinem Juden.

Nathan. So geh, geh wenigstens ihn anzuhalten; Ihn wenigstens mit deinen Augen zu Begleiten. – Geh, ich komme gleich dir nach.

(Nathan eilet hinein, und Daja heraus.)

Quelle: Projekt Gutenberg

MUSTERLÖSUNG FÜR DIE LEHRKRAFT!!!

Zusammenfassung des Auszugs aus "Nathan der Weise"

Wer handelt/spricht?

In diesem Auszug interagieren hauptsächlich Nathan, ein jüdischer Kaufmann, und Daja, die Haushälterin von Nathans Tochter Recha.

Wo und wann findet das Geschehen statt?

Die Handlung findet im Palmenhof in Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge statt. Die genaue Zeit wird nicht angegeben, jedoch deutet die Dringlichkeit von Dajas Nachricht auf eine unmittelbare und bedeutende Situation hin.

Was ist der Kernkonflikt dieses Auszugs?

Der Kernkonflikt besteht in der Spannung zwischen Nathan und dem Tempelherren. Daja drängt Nathan, den Tempelherren zu treffen, da Recha ihn aus dem Fenster beobachtet und Kontakt wünscht. Nathan ist jedoch unsicher, ob der Tempelherr, der Vorurteile gegenüber Juden zu haben scheint, Nathans Einladung annehmen wird.

Welche Funktion hat der Auszug für den weiteren Verlauf des Dramas?

Dieser Auszug dient dazu, die Beziehung zwischen Nathan und dem Tempelherren zu etablieren und die Vorurteile, die der Tempelherr gegenüber Juden hegt, zu thematisieren. Es legt den Grundstein für die Entwicklung der Handlung, die Nathans Weisheit und seine Bemühungen, Vorurteile zu überwinden, weiter erforscht. Die Interaktion weist darauf hin, dass es im weiteren Verlauf des Dramas zu einer Konfrontation oder einem Dialog zwischen Nathan und dem Tempelherren kommen wird, der entscheidend für die Entwicklung der Charaktere und die Auflösung des Dramas ist.

Das Beziehungs-Radar

Arbeitsauftrag: Stelle die Konstellation der Figuren in dieser Szene grafisch dar.

  • Anleitung: Zeichne Kreise für die Figuren. Die Größe des Kreises symbolisiert die Macht/Dominanz in dieser Szene. Verbinde die Kreise mit Pfeilen: Durchgezogene Linien für Sympathie, gezackte Linien für Konflikte, gestrichelte Linien für Distanz oder Heimlichkeiten. Beschrifte die Pfeile kurz mit einem passenden Schlagwort.

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MUSTERLÖSUNG FÜR DIE LEHRKRAFT!!!

Figurenkonstellation im ersten Aufzug, vierter Auftritt

Schaubild

Nathan 🟢
Macht/Dominanz: Größter Kreis
Sympathie: ➡️ (durchgezogene Linie zu Daja) "Vertrauen"
Distanz/Heimlichkeiten: --- (gestrichelte Linie zu Tempelherr) "Ungewissheit"

Daja 🔵
Macht/Dominanz: Mittelgroßer Kreis
Sympathie: ➡️ (durchgezogene Linie zu Nathan) "Loyalität"
Sympathie: ➡️ (durchgezogene Linie zu Tempelherr) "Bewunderung"

Tempelherr 🔴
Macht/Dominanz: Kleiner Kreis
Distanz/Heimlichkeiten: --- (gestrichelte Linie zu Nathan) "Vorurteil"
Sympathie: ➡️ (durchgezogene Linie zu Daja) "Interesse"

Beziehungspfeile

Nathan hat ein Vertrauensverhältnis zu Daja, da sie ihn über die Ankunft des Tempelherrn informiert. Gleichzeitig steht Nathan in einer distanzierten Beziehung zum Tempelherrn, dessen Verhalten und Absichten ungewiss sind.

Daja zeigt Loyalität zu Nathan, indem sie ihm Informationen über den Tempelherrn liefert. Sie bewundert den Tempelherrn und ist bemüht, Nathan zur Begegnung zu bewegen.

Der Tempelherr hat ein unbestimmtes Verhältnis zu Nathan, geprägt von Vorurteilen und Distanz. Er zeigt jedoch Interesse an Daja, die ihn aufmerksam beobachtet und informiert.

Emojis und Schaubild

Nathan: 🟢 ➡️ 🔵 --- 🔴
Daja: 🔵 ➡️ 🟢 ➡️ 🔴
Tempelherr: 🔴 --- 🟢 ➡️ 🔵

Visualisierung

Nathan und Daja sind durch einen durchgezogenen Pfeil verbunden, der Vertrauen darstellt.
Nathan und Tempelherr sind durch eine gestrichelte Linie verbunden, die Distanz symbolisiert.
Daja und Tempelherr sind durch einen durchgezogenen Pfeil verbunden, der Bewunderung und Interesse darstellt.

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Die Dialogsanalyse

Infotext: Achte bei der Dialoganalyse auf die Redeanteile (Wer spricht viel, wer wenig?) und die Dialogform. Gibt es eine Stichomythie (schneller Schlagabtausch, Zeile um Zeile) oder eher lange Monologe? Untersuche auch die Sprechakte: Wird gedroht, gebeten, manipuliert oder gestanden?

Die Dialog-Kurve

Arbeitsauftrag: Analysiere den Verlauf des Gesprächs. Unterteile den Auszug in Sinnabschnitte und benenne für jeden Abschnitt:

  1. Die Absicht des Sprechers / der Sprecherin (Intention).
  2. Die angewandten Strategien (z. B. Ironie, rhetorische Fragen, Ausweichen).
  3. Den Wendepunkt: Gibt es einen Moment, in dem die Stimmung kippt oder sich das Machtverhältnis ändert?

Analyse

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Analyse des Gesprächsverlaufs im vierten Auftritt des ersten Aufzuges von "Nathan der Weise"

Im vorliegenden Dialog aus dem Drama "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing treffen Daja und Nathan aufeinander. Die Szene ist von einer gewissen Dringlichkeit geprägt, da Daja Nathan aufgeregt über das Auftauchen des Tempelherrn informiert.

Zu Beginn des Gesprächs ist Dajas Intention klar: Sie möchte Nathan dazu bewegen, sofort zum Tempelherrn zu gehen. Ihre Strategie ist die der Eile und Dringlichkeit, was sich in ihren wiederholten Aufrufen an Nathan widerspiegelt. Daja nutzt Wiederholungen und eine direkte Ansprache, um die Dringlichkeit ihrer Bitte zu unterstreichen. Sie erwähnt, wie der Tempelherr unter den Palmen wandelt und Datteln bricht, was die Aufmerksamkeit von Nathans Tochter, Recha, auf sich zieht.

Nathan hingegen zeigt sich zunächst unbeeindruckt von Dajas Dringlichkeit. Seine Intention ist es, die Situation zu reflektieren und zu verstehen, warum Daja so aufgeregt ist. Nathan wendet Ironie und rhetorische Fragen an, um Dajas Aufregung zu relativieren. Er spricht davon, dass der Tempelherr sich immer sehen lässt und dass er, selbst wenn er ein Engel wäre, nicht so behandelt werden sollte.

Der Wendepunkt im Gespräch tritt ein, als Daja Nathan eindringlich bittet, den Tempelherrn sofort aufzusuchen. Nathan erkennt die Ernsthaftigkeit der Situation, besonders weil Recha involviert ist. Nun ändert sich seine Intention: Er möchte dem Wunsch seiner Tochter nachkommen, jedoch ohne seine Würde und seine Prinzipien zu verletzen. Nathan zeigt sich bereit, den Tempelherrn einzuladen, aber auf eine Weise, die seiner Selbstachtung entspricht. Er schlägt vor, dass Daja dem Tempelherrn seine Wiederkunft meldet und ihn herzlich einlädt, ihn zu besuchen.

Daja ist jedoch skeptisch, da sie glaubt, dass der Tempelherr keinen Juden aufsucht. Ihre Intention ist es, Nathan dazu zu bewegen, direkt zum Tempelherrn zu gehen, ohne weitere Umwege. Nathan bleibt jedoch bei seiner Strategie der Einladung und der respektvollen Annäherung.

In der letzten Wendung des Gesprächs zeigt sich Nathan kompromissbereit. Er will Daja folgen, nachdem er seine Angelegenheiten geregelt hat. Daja geht eilig hinaus, während Nathan ins Haus eilt, was den Drang und die Dringlichkeit der Szene nochmals unterstreicht.

Zusammenfassend zeigt der Gesprächsverlauf eine Entwicklung von Dajas Dringlichkeit und Nathans anfänglichem Widerstand hin zu einer respektvollen und überlegten Annäherung an den Tempelherrn. Die Intentionen und Strategien der Charaktere verdeutlichen die zentrale Rolle von Kommunikation und Verständnis im Drama "Nathan der Weise".

Sprache als Maske oder Waffe

Arbeitsauftrag: Wähle drei prägnante Zitate aus dem Ausschnitt aus. Analysiere die rhetorischen Mittel (Metaphern, Satzbau, Wortwahl) und erkläre, was diese über den inneren Zustand der Figur verraten.

  • Beispiel: Warum nutzt Figur X hier Fachsprache? Will sie einschüchtern oder Unsicherheit verbergen?

Drei Zitate

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Analyse der rhetorischen Mittel in "Nathan der Weise"

Zitat 1: "Er wandelt untern Palmen wieder auf Und ab; und bricht von Zeit zu Zeit sich Datteln."

Analyse:

  • Metapher: Die Palmen symbolisieren die Ruhe und Gelassenheit des Tempelherrn, indem sie eine friedliche Umgebung darstellen. Das Bild des Wanderns unter Palmen kann als Metapher für eine innere Suche oder Unentschlossenheit gesehen werden.
  • Wortwahl: Die Wiederholung des Verbs "wandelt" unterstreicht die Unentschlossenheit und den inneren Konflikt des Tempelherrn. Das Wort "Datteln" kann als Symbol für Nahrung und vielleicht auch für Genuss oder Ablenkung verstanden werden.
  • Innerer Zustand: Der Tempelherr ist in einem Zustand der Unentschlossenheit und möglicherweise der inneren Suche. Das Bild des Wanderns und des gelegentlichen Pflückens von Datteln zeigt, dass er auf der Suche nach Antworten oder Klarheit ist und dabei versucht, sich zu beruhigen oder abzulenken.

Zitat 2: "All umsonst! Er kömmt Euch nicht. – Denn kurz; er kömmt zu keinem Juden."

Analyse:

  • Satzbau: Der Satz ist kurz und direkt, was die Entschlossenheit und die endgültige Entscheidung des Tempelherrn unterstreicht. Die Verwendung des Ausrufs "All umsonst!" zeigt die Frustration und den Widerstand gegen eine Veränderung.
  • Wortwahl: Das Wort "kurz" verstärkt die Entschlossenheit und den definitiven Charakter der Aussage. "Keinem Juden" zeigt die Vorurteile und die Trennung zwischen den Glaubensgemeinschaften.
  • Innerer Zustand: Der Tempelherr ist von Vorurteilen und einer festen Einstellung geprägt, die ihn daran hindern, sich auf Nathan einzulassen. Seine innere Ablehnung und die festgefahrenen Ansichten spiegeln sich in der direkten und entschlossenen Aussage wider.

Zitat 3: "Geh, sag, ich laß ihn bitten, Ihn herzlich bitten …"

Analyse:

  • Satzbau: Der Imperativ "Geh" zeigt die Dringlichkeit und den Wunsch Nathans, mit dem Tempelherrn in Kontakt zu treten. Die Wiederholung von "bitten" in "herzlich bitten" verstärkt die Ernsthaftigkeit und das ehrliche Anliegen.
  • Wortwahl: "Herzlich bitten" zeigt die Offenheit und Freundlichkeit Nathans und sein Bemühen, die Barrieren zu überwinden. Es ist eine bewusste Wortwahl, die seine Absicht, Frieden und Verständnis zu fördern, unterstreicht.
  • Innerer Zustand: Nathan ist in einem Zustand der Hoffnung und des Bemühens, die Missverständnisse zu klären und eine Verbindung herzustellen. Seine Worte spiegeln seine Offenheit und seine Bereitschaft wider, Vorurteile zu überwinden und Dialog zu fördern.
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Raum, Zeit und Regie (Szenische Realisierung)

Ein Drama ist für die Bühne geschrieben, nicht nur für das Papier!

Die Nebentextanalyse (Regieanweisungen) gibt uns wichtige Hinweise auf die Körpersprache, Mimik und den Raum. Wenn Regieanweisungen fehlen, müssen wir sie aus dem Sprechtext erschließen (implizite Bühnenanweisungen).

Das Regie-Konzept

Arbeitsauftrag: Stell dir vor, du bist Regisseur:in. Wie würdest du die Szene heute inszenieren? Erstelle eine Mindmap oder eine Skizze zu folgenden Punkten:

  • Bühnenbild: Welche Requisiten sind unverzichtbar, um die Atmosphäre zu unterstreichen?
  • Positionierung: Wo stehen die Figuren zueinander (Nähe vs. Distanz)? Wer steht erhöht, wer im Schatten?
  • Kostüme: Wie spiegeln die Kleider den sozialen Status oder die psychische Verfassung wider?

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Transfer & Gesamtdeutung

Das Fazit der Szene

Arbeitsauftrag: Formuliere eine abschließende Deutungshypothese: Inwiefern ist dieser Ausschnitt typisch für das gesamte Drama oder die Epoche, in der es entstand? Welcher Grundkonflikt der menschlichen Existenz (z. B. Pflicht vs. Neigung, Macht vs. Moral) wird hier exemplarisch verhandelt?

Deutungshypothese

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Abschließende Deutungshypothese: Typische Elemente des Dramas im Kontext der Aufklärung

Der vorliegende Ausschnitt aus "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing enthält zentrale Themen und Motive, die sowohl charakteristisch für das gesamte Werk als auch für die Epoche der Aufklärung sind. Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen religiösen Vorurteilen und der Möglichkeit der Toleranz, der sich in den Interaktionen zwischen Nathan und dem Tempelherrn manifestiert. Dieser Grundkonflikt spiegelt die existenzielle menschliche Suche nach Verständnis und Akzeptanz wider, die durch gesellschaftliche und religiöse Schranken erschwert wird.

Typische Elemente des Dramas

Religiöse Toleranz und Vorurteile: Nathan, ein Jude, sucht die Begegnung mit dem Tempelherrn, einem Christen, der sich zunächst weigert, mit ihm zu sprechen. Dieses Verhalten des Tempelherrn zeigt die Vorurteile und religiösen Spannungen, die in der damaligen Zeit vorherrschten. Lessing nutzt diesen Gegensatz, um die Notwendigkeit von Toleranz und rationalem Denken zu verdeutlichen, die zentrale Werte der Aufklärung sind.

Vernunft und Humanität: Nathan, als Vertreter der Vernunft und Humanität, steht für die aufklärerische Ideologie, die das Individuum und seine moralischen Werte über religiöse und gesellschaftliche Dogmen stellt. Sein Ansatz, den Tempelherrn durch vernünftige Argumente und herzliche Einladung zu überzeugen, spiegelt den aufklärerischen Glauben an die Kraft der Vernunft und des Dialogs wider.

Interkultureller Dialog: Der Drang nach interkulturellem Verständnis und die Überwindung von Barrieren zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen sind weitere zentrale Motive des Dramas. Diese Thematik ist typisch für die Aufklärung, die sich für die universelle Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen einsetzt.

Grundkonflikt der menschlichen Existenz

Der Ausschnitt verhandelt exemplarisch den Konflikt zwischen religiösen Vorurteilen und der Möglichkeit der Toleranz. Nathan bemüht sich um eine Begegnung und einen Dialog, während der Tempelherr von Vorurteilen und gesellschaftlichen Erwartungen zurückgehalten wird. Dieser Konflikt ist zentral für das Drama und die Aufklärung, die sich mit der Überwindung von Vorurteilen und der Förderung eines rationalen und toleranten Zusammenlebens auseinandersetzt.

Fazit

Zusammenfassend ist der Auszug typisch für das gesamte Drama und die Epoche der Aufklärung, indem er existenzielle Themen wie Toleranz, Vernunft und interkulturellen Dialog verhandelt. Diese Themen sind charakteristisch für die Literatur der Aufklärung, die sich mit der Förderung von Verständnis und der Überwindung von Vorurteilen beschäftigt.

Kreativer Abschluss: Ein moderner „innerer Monolog“

Arbeitsauftrag: Wähle eine Figur aus, die am Ende des Ausschnitts schweigt oder von der Bühne abgeht. Schreibe einen kurzen inneren Monolog (ca. 10 Sätze), der offenbart, was diese Figur wirklich denken könnte, aber in dem offiziellen Dialog nicht aussprechen konnte.

Innerer Monolog

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Innerer Monolog von Nathan

Was für eine seltsame Begegnung! Immer wieder bittet Daja mich, diesen Tempelherrn aufzusuchen. Warum ist er so wichtig für sie? Hat sie wirklich so große Hoffnungen in ihn gelegt? Ich verstehe ihre Dringlichkeit nicht ganz, aber ich werde ihrem Wunsch nachkommen. Sie scheint eine Verbindung zu ihm zu spüren, die ich nicht nachvollziehen kann. Er soll sich also wieder sehen lassen, dieser Tempelherr, aber warum meidet er mein Haus, wenn ich nicht da bin? Hat er wirklich etwas gegen mich als Juden, oder steckt etwas anderes dahinter? Nun, ich werde es herausfinden. Vielleicht hat Daja recht und ein Gespräch mit ihm könnte ein Licht auf seine wahren Absichten werfen. Ich werde ihm freundlich begegnen, wie es mein Naturell ist. Vielleicht kann ich mehr über ihn und seine Beweggründe erfahren. Es ist an der Zeit, den Schleier der Geheimnisse zu lüften und herauszufinden, was er wirklich denkt.