Soft Power - Eine wirtschaftliche Strategie

Soft Power - Eine wirtschaftliche Strategie

Zielsetzung:

Die Lernenden analysieren das Konzept der Soft Power als modernes Instrument der Außenwirtschaftspolitik und verstehen, wie kulturelle Attraktivität systematisch zur Steigerung des nationalen Exports und des globalen Einflusses eingesetzt wird.

Inhalte und Methoden:

Anhand eines Sachtextes und eines fiktiven Zeitzeugenberichts werden die Unterschiede zwischen Hard und Soft Power sowie Mechanismen wie Nation Branding, Public Diplomacy und der Halo-Effekt erarbeitet. Die methodische Umsetzung erfolgt durch Textanalyse, die Rekonstruktion von Wirkungsketten, eine Recherche im „Global Soft Power Index“ sowie eine abschließende kritische Beurteilung staatlicher Kultursteuerung.

Kompetenzen:

  • Fachkompetenz: Unterscheidung und Erläuterung internationaler Machtkategorien (Hard vs. Soft Power)
  • Analysekompetenz: Untersuchung des wirtschaftlichen Wirkmechanismus kultureller Exportgüter (z. B. K-Pop) auf das Bruttoinlandsprodukt
  • Urteilskompetenz: Kritische Reflexion über die Chancen und Gefahren staatlicher Einflussnahme auf Kultur und nationale Identität
  • Medien- und Recherchekompetenz: Umgang mit globalen Vergleichsstudien zur Messung immaterieller Vermögenswerte von Nationen

Zielgruppe und Niveau:

Ab Klasse 10

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Target group and level

Ab Klasse 10

Subjects

PoliticsEconomics

Soft Power - Eine wirtschaftliche Strategie

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Einleitung

In einer globalisierten Welt wird Macht nicht mehr nur durch Panzer oder Sanktionen ausgeübt, sondern zunehmend durch die Kraft der Anziehung. Dieses Arbeitsblatt führt dich in das Konzept der 'Soft Power' ein und zeigt dir an einem Beispiel, wie Kultur zu einem strategischen Wirtschaftsfaktor wird.

Die Evolution der Macht: Von militärischer Stärke zur kulturellen Attraktivität

In der modernen Außenwirtschaftstheorie hat sich das Verständnis staatlicher Einflussnahme grundlegend gewandelt. Während klassische Ansätze primär auf die sogenannte Hard Power setzten – also die Ausübung von Macht durch militärische Gewalt oder ökonomische Sanktionen, um Akteur:innen zu einem bestimmten Verhalten zu zwingen –, etablierte der US-Politikwissenschaftler Joseph Nye ein komplementäres Konzept. Er argumentiert, dass nachhaltiger Einfluss im globalen Wettbewerb zunehmend über Soft Power generiert wird. Hierbei handelt es sich um die Fähigkeit eines Staates, seine Ziele durch Attraktivität und Überzeugung zu erreichen. Diese „weiche Macht“ speist sich aus der kulturellen Strahlkraft, politischen Werten und einer glaubwürdigen Außenpolitik, die Bürger:innen anderer Nationen dazu bewegt, die eigenen Zielsetzungen freiwillig zu unterstützen.

In diesem Kontext gewinnen strategische Instrumente wie die Public Diplomacy massiv an Bedeutung. Darunter versteht man die gezielte Pflege der Beziehungen eines Staates zur Öffentlichkeit anderer Länder, um durch Austauschprogramme oder Medienarbeit ein positives Meinungsklima zu schaffen. Dies geht Hand in Hand mit dem Nation Branding, bei dem ein Land wie eine Marke geführt wird. Ziel ist es, die nationale Identität so vorteilhaft zu positionieren, dass sie für Investor:innen, Tourist:innen und Konsument:innen weltweit attraktiv wirkt. Ein starkes Image fungiert dabei als immaterieller Vermögenswert: Es steigert den Export und erhöht die diplomatische Verhandlungsmacht. Wenn es gelingt, die eigene Kultur – etwa über Musik, Film oder technologische Innovationen – als erstrebenswert darzustellen, entsteht ein Sogeffekt, der politische Allianzen festigt, ohne dass kostspielige Drohgebärden nötig wären.

📝Fällt dir ein Beispiel für eine "Soft Power" eines Landes ein?

📌 Erfahre mehr über ein konkretes Beispiel für den Einsatz von "Soft Power" eines Landes. Lies dafür den Bericht einer fiktiven Zeitzeugin und erfülle die anschließenden Aufgaben.

Dr. Kim Soo-jin

Dr. Kim Soo-jin

Mein Name ist Dr. Kim Soo-jin, und als ehemalige Staatssekretärin im Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus habe ich eine der weitreichendsten wirtschaftlichen Transformationen unseres Landes mitgestaltet. Haben Sie sich jemals gefragt, was der Absatz von Hyundai-Elektroautos mit der nächsten Welttournee der Popgruppe BTS zu tun hat? Die Antwort ist keine zufällige Korrelation, sondern das Ergebnis einer kühl kalkulierten politischen Vision, die wir vor über 25 Jahren aus schierer Notwendigkeit heraus geboren haben. Ich erinnere mich noch gut an die Sitzung, in der ein Bericht des Präsidialamtes uns die Augen öffnete: Ein einziger Hollywood-Film, Jurassic Park, generierte damals mehr Umsatz als der Export von 1,5 Millionen unserer Automobile. Dieser Moment war ein Weckruf. Wir erkannten, dass unsere Abhängigkeit von der traditionellen Schwerindustrie eine strategische Schwachstelle darstellte und wir eine neue Form der globalen Einflussnahme benötigten. Es war der Moment, in dem wir uns von der reinen Hard Power – der Machtausübung durch militärische oder ökonomische Zwangsmittel – abwandten und uns bewusst für die Kultivierung von Soft Power entschieden. Dieses von dem Politikwissenschaftler Joseph Nye geprägte Konzept beschreibt die Fähigkeit, andere durch kulturelle Anziehungskraft und positive Werte zu überzeugen, anstatt sie zu zwingen. Unser Ziel war es, Südkorea als globale Marke neu zu erfinden, deren Attraktivität den Boden für unseren gesamten nationalen Export bereiten sollte. Um diese Vision in die Tat umzusetzen, handelte der Staat nicht als passiver Förderer, sondern als aktiver Investor und Architekt. Wir riefen die Korea Creative Content Agency, kurz KOCCA, ins Leben – eine staatliche Agentur, die mit einem Budget von hunderten Millionen Euro ausgestattet wurde. Ihre Aufgabe ging weit über klassische Subventionen hinaus: Sie finanzierte gezielt die internationale Expansion von Unterhaltungsunternehmen, investierte in die Ausbildung von Talenten und schuf eine Infrastruktur, die Kreativität im industriellen Maßstab ermöglichte. Parallel dazu initiierten wir den Bau ganzer Kreativ-Cluster, die speziell auf die Bedürfnisse der Content-Produktion zugeschnitten sind und gleichzeitig als touristische Anziehungspunkte dienen. Ein entscheidender Hebel war zudem die Anpassung unserer Gesetzgebung. Die Novellierung des Wehrdienstgesetzes, die es Ausnahmekünstler:innen wie den Mitgliedern von BTS ermöglicht, ihren Pflichtdienst aufzuschieben, war keine populistische Geste, sondern eine strategische Notwendigkeit, um den globalen Marktwert unserer wichtigsten Kulturexporte zu sichern. Flankiert wurde dies durch den Ausbau unserer Public Diplomacy, also der gezielten Kommunikation mit einer ausländischen Öffentlichkeit. Unsere weltweit über 30 koreanischen Kulturzentren sind keine reinen Sprachschulen; sie sind strategische Vorposten, die durch Konzerte, Kochkurse und Filmvorführungen eine tiefe, emotionale Bindung zu unserem Land schaffen. Wirtschaftlich funktioniert dieses System über den sogenannten Halo-Effekt. Wenn Konsument:innen in Berlin, São Paulo oder Jakarta eine emotionale Beziehung zu den Künstler:innen und Geschichten aus Südkorea aufbauen, überträgt sich diese positive Assoziation unbewusst auf das gesamte Land. Diese kulturelle Strahlkraft wirkt wie ein psychologisches Schmiermittel für die Wirtschaft. Die Hemmschwelle, ein Samsung-Smartphone, einen Kia-SUV oder koreanische Kosmetik zu kaufen, sinkt erheblich, weil die Marke „Südkorea“ im Bewusstsein der Menschen bereits positiv mit Innovation, Qualität und einem Hauch von Glamour besetzt ist. Jeder gestreamte Song, jede gesehene Serie ist somit ein kleiner, aber messbarer Beitrag zu unserem Bruttoinlandsprodukt. Wir verkaufen nicht nur Unterhaltung, wir verkaufen ein Lebensgefühl – und dieses Lebensgefühl ist heute unser wertvollster Rohstoff.

📝Nenne die "Soft Power" des Beispiels und notiere, ob und inwiefern diese in deinem eigenen Alltag eine Rolle spielt.

Der Halo-Effekt

📝Bringe die Abschnitte in die richtige Reihenfolge.

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Hinweis für die Lehrkraft

Um vollständig auf die Daten des Global Soft Power Index zugreifen zu können, ist es notwendig ein Konto anzulegen. Ohne eine Anmeldung können zwar einige Infos und Daten von der Seite entnommen werden, aber nicht alle.

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Global Soft Power Index

Der Global Soft Power Index ist eine umfassende jährliche Studie der Unternehmensberatung Brand Finance, die die „Soft Power“ von über 190 Nationen weltweit misst und vergleicht. Zur Datenerhebung werden über 170.000 Personen in mehr als 100 Märkten befragt, um die Wahrnehmung eines Landes in Kategorien wie Kultur, Außenpolitik, Wirtschaft und nationale Werte zu bewerten. Er dient als wichtiges Analyseinstrument für Regierungen, um den Erfolg ihres Nation Brandings und ihren internationalen Einfluss jenseits militärischer Stärke objektiv messbar zu machen.

Erfahre mehr über die aktuellen Ergebnisse, indem du die folgenden Aufgaben bearbeitest.

Nutze dafür die offizielle Seite des Global Soft Power Index. Diese findest du hier.

📝 Soft Power: Strategischer Geniestreich oder kulturelle Manipulation? – Beurteile, ob die gezielte Steuerung von Kultur durch den Staat eher als Chance zur nationalen Selbstbehauptung im globalen Wettbewerb oder als Gefahr für die Authentizität und Freiheit der Gesellschaft zu sehen ist.