Ethische Dilemmata - das Trolley-Problem mit KI

Ethische Dilemmata - das Trolley-Problem mit KI

Zielsetzung: Das übergeordnete Lernziel des Arbeitsblattes ist es, Schüler:innen für ethische Dilemmata im Kontext moderner Technologie zu sensibilisieren, ihr Verständnis für moralphilosophische Denkrichtungen wie den Utilitarismus zu vertiefen und sie zur kritischen Auseinandersetzung mit der Programmierung künstlicher Intelligenz anzuregen.


Inhalte und Methoden: Das Arbeitsblatt behandelt das klassische Trolley-Problem und dessen Erweiterung auf die Programmierung autonomer Fahrzeuge unter Berücksichtigung kultureller Unterschiede. Methodisch wird eine Kombination aus multimedialen Impulsen (Video via QR-Code), informativen Sachtexten einer philosophischen Denkrichtung sowie Aufgaben zur Wissensüberprüfung (Multiple-Choice) eingesetzt. Ein praxisorientierter „Pitch“ sowie Reflexionsfragen fördern die Anwendung theoretischer Ethik auf reale Zukunftsszenarien.


Kompetenzen:

  • Ethische Urteilskompetenz (Bewertung moralischer Dilemmata und Abwägung von Gütern)
  • Fachwissen in der Philosophie (Kenntnis utilitaristischer und deontologischer Ansätze)
  • Interkulturelle Kompetenz (Verständnis für die Varianz moralischer Intuitionen in verschiedenen Kulturen)
  • Argumentations- und Präsentationskompetenz (Erarbeitung und Vertreten eines eigenen Standpunkts im „Pitch“)
  • Medien- und Lesekompetenz (Erschließung von Informationen aus Texten und digitalen Quellen)


Zielgruppe und Niveau: ab Klasse 10

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Target group and level

ab Klasse 10

Subjects

non-subject specific contentEthicsPhilosophy

Ethische Dilemmata - das Trolley-Problem mit KI

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Das Trolley-Problem

Schau dir das folgende Video an und teile dann im Plenum deine Gedanken zum Experiment:

  • Wie würdest du dich verhalten?
  • Gibt es einen grundsätzlichen Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Situation?
  • Welche anderen Faktoren könnten die Situationen noch schwieriger machen? (Stell dir beispielsweise vor, die Person, die du opfern müsstest, um fünf andere Menschen zu retten, wäre dein bester Freund.)
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Weitere Informationen

Lies dir nun weitere Informationen zu diesem Gedankenexperiment durch und beantworte die passenden Fragen dazu.

Das Trolley-Problem

Das Trolley-Problem ist ein bekanntes philosophisches Gedankenexperiment, das grundlegende ethische Fragen zu moralischen Entscheidungen aufwirft. Ursprünglich von der Philosophin Philippa Foot in den 1960er Jahren eingeführt und später von Judith Jarvis Thomson weiterentwickelt, präsentiert das Trolley-Problem ein Dilemma, bei dem eine Straßenbahn unkontrolliert auf fünf Menschen zufährt, die auf den Gleisen arbeiten. Der Weichensteller hat die Möglichkeit, die Straßenbahn auf ein Nebengleis umzuleiten, auf dem nur ein Mensch arbeitet, wodurch dieser sterben würde. Die zentrale Frage lautet: Ist es moralisch vertretbar, einen Menschen zu opfern, um fünf andere zu retten?

Das Problem wirft Fragen zur utilitaristischen Ethik auf, die besagt, dass die moralische Richtigkeit einer Handlung durch deren Beitrag zum größtmöglichen Glück bestimmt wird. Aus utilitaristischer Sicht wäre es gerechtfertigt, einen Menschen zu opfern, um das Leben von fünf anderen zu retten, da dies den Gesamtnutzen maximiert. Kritiker dieser Sichtweise stellen jedoch die Instrumentalisierung des Einzelnen infrage und argumentieren, dass die Würde und die Rechte des Individuums gewahrt bleiben müssen, unabhängig von den Konsequenzen.

Die Debatte um das Trolley-Problem hat durch die Entwicklung autonomer Fahrzeuge eine neue Dringlichkeit erhalten. Ingenieure und Programmierer stehen vor der Herausforderung, moralische Entscheidungen in Form von Algorithmen zu kodieren, die von diesen Fahrzeugen in unvermeidbaren Unfallsituationen getroffen werden. Sollten autonome Fahrzeuge so programmiert werden, dass sie einer Gruppe von Menschen ausweichen und dabei die Insassen des Fahrzeugs gefährden? Diese Fragen spiegeln die Komplexität wider, universelle ethische Prinzipien zu definieren, die von Maschinen befolgt werden können.

Eine groß angelegte Studie, durchgeführt von Iyad Rahwan und seinem Team am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, analysierte die moralischen Entscheidungen von 70.000 Personen aus 42 Ländern hinsichtlich verschiedener Szenarien des Trolley-Problems. Die Ergebnisse zeigten sowohl globale Gemeinsamkeiten als auch kulturelle Unterschiede. Während in westlichen Ländern eine größere Bereitschaft besteht, einen Menschen im klassischen Szenario zu opfern, ist diese Bereitschaft in einigen ostasiatischen Ländern, wie China, signifikant geringer. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass in Kulturen, in denen soziale Beziehungen schwerer zu knüpfen sind, die Menschen zurückhaltender sind, kontroverse Entscheidungen zu treffen, die ihre sozialen Bindungen gefährden könnten.

Ein weiterer Aspekt der Studie war der Vergleich zwischen dem klassischen Trolley-Problem und Szenarien, in denen der Tod eines Menschen notwendig ist, um andere zu retten, wie etwa das Stoßen eines großen Mannes von einer Brücke, um den Wagen aufzuhalten. Die Bereitschaft, einen Menschen zu instrumentalisieren, war weltweit geringer als die Bereitschaft, seinen Tod in Kauf zu nehmen, was auf eine tief sitzende moralische Intuition hinweist.

Das Trolley-Problem bleibt ein bedeutendes Werkzeug, um moralische und ethische Prinzipien zu erforschen und zu diskutieren. Es stellt nicht nur Fragen zur menschlichen Moral, sondern auch zur Programmierung künstlicher Intelligenz und deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Die kulturellen Unterschiede in der moralischen Entscheidungsfindung bieten wertvolle Einblicke in die Vielfalt menschlicher Ethik und die Herausforderungen bei der Entwicklung universeller moralischer Prinzipien.

Quellen:

Wähle für jede Frage die richtige Antwort aus.

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Eine philosophische Betrachtung

Lies dir nun den folgenden Text über eine philosophische Denkrichtung durch, aus der man das Trolley-Problem betrachten kann. Mach dir bei Bedarf Notizen.

Relativismus: Eine philosophische Perspektive

Der Relativismus ist eine faszinierende und zugleich kontroverse Denkrichtung innerhalb der Philosophie. Er vertritt die Ansicht, dass Wahrheit und moralische Werte nicht absolut, sondern abhängig von Kontext und Perspektive sind. Diese Idee stellt eine Herausforderung für das Streben nach universellen Wahrheiten dar und führt oft zu intensiven Diskussionen unter Philosoph:innen und in der Gesellschaft.

Der Relativismus kann in verschiedenen Bereichen der Philosophie gefunden werden, darunter der epistemologische und moralische Relativismus. Epistemologischer Relativismus bezieht sich auf die Auffassung, dass Wissen und Wahrheit von den individuellen oder kulturellen Perspektiven abhängig sind. Moralischer Relativismus hingegen besagt, dass moralische Prinzipien und Werte nicht objektiv sind, sondern durch soziale und kulturelle Gegebenheiten geformt werden.

Ein prominentes Beispiel für die Anwendung dieser Denkrichtung ist die Debatte über universelle Menschenrechte. Während einige argumentieren, dass Menschenrechte universell gelten sollten, sehen Relativist:innen dies als kulturell bedingt und daher variabel. Diese Position kann zu Konflikten führen, insbesondere wenn unterschiedliche kulturelle Normen aufeinandertreffen.

Nicola Condoleo, ein moderner Denker auf diesem Gebiet, untersucht in seinem Werk „Randbemerkungen zum Relativismus“ die gegenwärtigen gesellschaftlichen Konflikte aus der Perspektive des Relativismus. Er zeigt auf, wie diese philosophische Haltung helfen kann, die Komplexität moderner Streitigkeiten zu verstehen und möglicherweise zu überwinden.

Kritiker:innen des Relativismus werfen ihm vor, dass er zu einem Beliebigkeitsdenken führen kann, in dem jede Meinung gleichwertig ist und somit keine klaren Richtlinien für moralisches oder ethisches Verhalten existieren. Dennoch bietet der Relativismus eine wertvolle Perspektive, die uns dazu anregt, die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung und Erfahrung zu erkennen und zu schätzen.

Insgesamt stellt der Relativismus eine bedeutende Herausforderung für traditionelle Auffassungen von Wahrheit und Moral dar und bleibt ein zentraler Punkt in philosophischen Debatten über die Natur von Wissen und Ethik.

Deine Notizen:

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Du als Programmierer:in

Nun sind deine Argumentationskünste gefragt: Stell dir vor, du bist Programmierer:in für selbstfahrende Autos und Vertreter:in der oben genannten Denkrichtung. Wie würdest du die KI im Auto für den Fall eines Unfalls programmieren - zum Schutz der meisten Menschen, nach Zufallsprinzip, zur Rettung der Insassen des Fahrzeugs? Nutze alle gelernten Informationen und sammle deine Argumente in einem Pitch an deinen Chef, der von dir einen Vorschlag zur Programmierung der neuesten Kollektion erwartet!

Deine Notizen:

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Dein Pitch

Präsentiere nun deinen Pitch vor dem Rest der Klasse.

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Ausblick

Wie stellst du dir die Zukunft mit selbstfahrenden Autos vor? Werden die philosophischen Überlegungen aus diesem Arbeitsblatt eine Rolle spielen? Welche Gefahren werden durch eine große Anzahl selbstfahrender Autos im Verkehr ausgelöst? Welche Vorteile siehst du?

Teile deine Gedanken mit dem Rest der Klasse.

Musterlösung

Hier findest du eine Musterlösung zum Pitch des Programmierers / der Programmierin.

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