Annäherung an Grundbegriffe: Den Zusammenhang zwischen "Zuhören" und "Biographiearbeit" verstehen

Annäherung an Grundbegriffe: Den Zusammenhang zwischen "Zuhören" und "Biographiearbeit" verstehen

Zielsetzung: Das übergeordnete Lernziel ist das Verständnis des Zusammenhangs zwischen aktivem Zuhören und erfolgreicher Biographiearbeit. Die Lernenden sollen sensibilisiert werden für die Risiken von Fehlkommunikation im Berufsalltag und befähigt werden, durch gezieltes Zuhören eine Vertrauensbasis für die Begleitung pflegebedürftiger Menschen zu schaffen.

Inhalte und Methoden: Das Arbeitsblatt nähert sich dem Thema durch eine Mischung aus Analyse, Praxis und Reflexion:

  • Theoretischer Einstieg: Problematisierung von Fehlkommunikation, unausgesprochener Kritik und Konfliktentstehung im Team (z. B. Dienstplanung)
  • Audio-basierte Analyse: Identifikation von Kommunikationsschwierigkeiten in einem konkreten Dialog via QR-Code
  • Merkmalsbestimmung: Systematische Unterscheidung von verbalen und nonverbalen Kommunikationsmerkmalen
  • Praktische Übung (Rollenspiel): Durchführung von Dialogen in Dreiergruppen (Erzähler:in, Zuhörer:in, Beobachter:in) zum direkten Vergleich von aktivem vs. passivem Zuhören
  • Video-basierte Fallarbeit: Transfer des Wissens auf die Biographiearbeit
  • Plenumsreflexion: Gemeinsame Auswertung der Erfahrungen und Merkmale

Kompetenzen:

  • Fachkompetenz: Differenzierung zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation sowie Anwendung des Konzepts des aktiven Zuhörens
  • Methodenkompetenz: Gezielte Beobachtung und Analyse von Kommunikationsdynamiken in Rollenspielen und audiovisuellen Medien
  • Sozialkompetenz: Steigerung der Empathiefähigkeit für die Lebenswelt von Patient:innen durch professionelle Biographiearbeit
  • Reflexionskompetenz: Kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Kommunikationsverhalten und dessen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität

Zielgruppe und Niveau:

Berufsschule

Hinweis: Zur Bearbeitung der letzten Aufgabe wird der Zugang zum Internet benötigt, da ein YouTube-Video geschaut werden soll.

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Target group and level

Auszubildende im Pflegeberuf

Subjects

Health and Social Care

Annäherung an Grundbegriffe: Den Zusammenhang zwischen "Zuhören" und "Biographiearbeit" verstehen

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Montagmorgens auf der Station

Fehlkommunikation im Berufsalltag

Im beruflichen Alltag, besonders in Teams, können verschiedene Problematiken zu einem Aneinandervorbeireden führen. Häufig bleiben Kritikpunkte unausgesprochen, was zu schwelenden Konflikten führt. Wenn diese nicht rechtzeitig angesprochen werden, verhärten sich die Standpunkte und es kommt zu Missverständnissen, Schwarz-Weiß-Denken oder sogar offenen Auseinandersetzungen. Besonders gefährlich ist, dass sich Ärger anstaut und irgendwann unsachlich entlädt - das eigentliche Problem bleibt dabei oft ungelöst.

Ein typisches Beispiel ist die Dienstplangestaltung, bei der unterschiedliche Bedürfnisse und fehlende Kommunikation schnell zu Konfrontationen führen können. Werden Konflikte nicht frühzeitig und sachlich angesprochen, können sie sich zu einer Krise zuspitzen, bei der eine konstruktive Zusammenarbeit kaum noch möglich ist. Außerdem kann solch eine Kommunikation auch zu Fehlern und mangelnder Organisation im Zusammenhang mit Patient:innen führen.


Arbeitsauftrag: Hören Sie sich den folgenden Dialog an und beantworten Sie anschließend die Fragen.

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Tragen Sie in der Tabelle Merkmale für nonverbale Kommunikation und verbale Kommunikation ein. Achten Sie besonders darauf, welche Merkmale aktives Zuhören widerspiegeln.

MUSTERLÖSUNG FÜR DIE LEHRKRAFT

NONVERBAL VERBAL
Aktives Zuhören durch Gestik (z. B. Nicken) Das klingt interessant.
Lächeln Könnten Sie das näher erläutern?
Augenkontakt halten Können Sie ein Beispiel geben?
Leichte Vorbeugung des Körpers Ich verstehe.
Arme offen halten Was meinen Sie damit?
Kopf zur Seite neigen Könnten Sie das wiederholen?
Gesichtsausdruck anpassen Wie haben Sie sich dabei gefühlt?
Zugewandte und offene Körperhaltung Ich sehe, was Sie meinen.

Erläuterung:

Beim aktiven Zuhören werden sowohl nonverbale als auch verbale Merkmale eingesetzt, um dem Gesprächspartner Wertschätzung, Interesse und Verständnis zu signalisieren. Zu den nonverbalen Merkmalen zählen eine zugewandte und offene Körperhaltung, regelmäßiger Augenkontakt, ein freundlicher Gesichtsausdruck, Lächeln sowie unterstützende Gestik wie Nicken oder offene Arme. Auch das leichte Vorbeugen des Körpers, das Anpassen der Mimik an den Gesprächsinhalt und das Neigen des Kopfes zeigen Aufmerksamkeit und Empathie.

Verbal äußert sich aktives Zuhören durch das Stellen offener Fragen (z. B. „Könnten Sie das näher erläutern?“ oder „Können Sie ein Beispiel geben?“), durch verbale Bestätigung wie „Ich verstehe“ oder „Ich sehe, was Sie meinen“, sowie durch das Paraphrasieren oder Verbalisieren von Gefühlen des Gegenübers. Auch Nachfragen („Könnten Sie das wiederholen?“, „Wie haben Sie sich dabei gefühlt?“) und das Klären von Unklarheiten sind wichtige verbale Techniken des aktiven Zuhörens.

Beide Kommunikationsformen – nonverbal und verbal – sind für ein gelungenes Gespräch und eine professionelle Beziehungsgestaltung unerlässlich.

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Praktische Übung

Arbeitsauftrag: Bilden Sie 3er-Gruppen. Stellen Sie zwei Dialoge nach:

  1. Ein Dialog, in dem zwei Personen aneinander vorbeireden. Nutzen Sie dabei nonverbale und verbale Merkmale, die widerspiegeln, dass nicht aktiv zugehört wird.
  2. Ein Dialog, in dem sich zwei Personen gegenseitig aktiv zuhören. Welche nonverbalen und verbalen Merkmale können dabei genutzt werden?

Nutzen Sie die folgenden Charakter-Karten zur Einordnung der Aufgabenverteilung. Teilen Sie die Aufgaben zu und wechseln Sie gerne die Rollen im zweiten Durchlauf.

Der/ die Erzähler:in

Der/ die Erzähler:in
Rolle: Der/ die Erzähler:in Verantwortlichkeiten: - Erzählen Sie über ein Alltagsthema Ihrer Wahl. - Vermitteln Sie Ihre Gedanken und Gefühle dazu. - Nutzen Sie nonverbale Kommunikation, um Ihre Erzählung zu unterstreichen.
Der/ die Erzähler:in ist leidenschaftlich und möchte seine/ihre Begeisterung für das Thema zeigen.

Der/ die Zuhörer:in

Der/ die Zuhörer:in
Rolle: Der/ die Zuhörer:in Verantwortlichkeiten: - Hören Sie dem/der Erzähler:in zu. - Nutzen Sie einmal aktive Zuhörtechniken und einmal zeigen Sie Desinteresse. - Reagieren Sie verbal und nonverbal angemessen auf die Erzählung.
Der/ die Zuhörer:in ist interessiert und zeigt sowohl aktives als auch passives Zuhörverhalten.

Der/ die Beobachter:in

Der/ die Beobachter:in
Rolle: Der/ die Beobachter:in Verantwortlichkeiten: - Beobachten Sie den Dialog zwischen dem/der Erzähler:in und dem/der Zuhörer:in. - Identifizieren Sie nonverbale und verbale Merkmale des aktiven und des passiven Zuhörens. - Geben Sie Feedback basierend auf Ihren Beobachtungen.
Der/ die Beobachter:in ist analytisch und konzentriert sich darauf, die Kommunikation zwischen den beiden Personen zu verstehen.
Kategorie ++/+/o/-/-- Merkmale
Nonverbale Merkmale
Achten Sie auf Körpersprache und Gestik.
Verbale Merkmale
Beachten Sie Tonfall und Wortwahl.
Feedback zum ersten Dialog
Wie hat der erste Dialog funktioniert?
Feedback zum zweiten Dialog
Wie hat der zweite Dialog funktioniert?

Hier finden Sie Platz für eventuelle Notizen.

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Besprechung im Plenum

Arbeitsauftrag: Erzählen Sie, wie die Gruppenarbeit funktioniert hat. Was ist Ihnen besonders aufgefallen? Welche Merkmale konnten Sie herausarbeiten?

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YouTube - Biographiearbeit im Zusammenhang mit aktivem Zuhören

Arbeitsauftrag: Schauen Sie das folgende Video aufmerksam. Sammeln Sie anschließend in Partnerarbeit: Welche Rolle spielt aktives Zuhören in diesem Zusammenhang? Weshalb kann das, was Sie gerade gelernt haben, wichtig für Biographiearbeit sein?

Hier finden Sie Platz für Ihre Überlegungen. Besprechen und reflektieren Sie diese anschließend im Plenum.