Blatt vor dem Mund? Von Grenzgänger:innen und Tabubrecher:innen

Blatt vor dem Mund? Von Grenzgänger:innen und Tabubrecher:innen

Zielsetzung: Das übergeordnete Lernziel ist die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tabus, Grenzüberschreitungen und dem Wandel moralischer Vorstellungen. Die Lernenden sollen befähigt werden, „Trigger-Punkte“ in Texten oder Werken zu identifizieren, die Mechanismen öffentlicher Empörung zu analysieren und die historische Dynamik von Sagbarkeitsgrenzen zu reflektieren.

Inhalte und Methoden: Das Arbeitsblatt nutzt ein variables Werk als Ausgangspunkt für eine tiefgehende Untersuchung von Identität, Provokation und kulturellen Normen. Die methodische Umsetzung erfolgt über:

  • Text- und Trigger-Analyse: Identifikation kontroverser Schlüsselstellen und subjektives Ranking von Tabubrüchen innerhalb des gewählten Werkes
  • Anatomie der Empörung: Erstellung einer Mindmap zur Analyse öffentlicher Reaktionen (z. B. Vorwürfe von Sexismus, kultureller Aneignung oder Sprachverfall)
  • Definition & Strukturierung: Abgrenzung der Darstellungsebene von der verletzten gesellschaftlichen Norm
  • Historischer Vergleich: Analyse der Grenzverschiebungen über Jahrzehnte hinweg mittels des Konzepts „Das Pendel der Moral“
  • Visualisierung: Darstellung der „Grenze des Sagbaren“ in einem Koordinatensystem über eine Zeitachse
  • Kreative Reflexion: Vertiefung durch fiktive Dialoge zwischen verschiedenen Epochen oder eine Verteidigungsrede zur Kunstfreiheit

Kompetenzen:

  • Analysekompetenz: Dekonstruktion von Werken hinsichtlich ihrer provokativen Wirkung und Identifikation zugrunde liegender gesellschaftlicher Normen
  • Reflexions- und Urteilskompetenz: Kritische Bewertung von Kunstfreiheit gegenüber gesellschaftlichen Empfindlichkeiten und Reflexion des eigenen Standpunkts
  • Methodenkompetenz: Systematischer Vergleich historischer Zustände und Visualisierung komplexer soziokultureller Trends durch Diagramme
  • Transferkompetenz: Übertragung von Analysemechanismen auf verschiedene kulturelle, literarische oder politische Kontexte

Zielgruppe und Niveau:

Oberstufe

Hinweis: Einige Werke sind vulgär und obszön. Beachte bitte, dass du vorher eine Triggerwarnung aussprichst und ein angemessenes Werk für deine Schüler:innen auswählst.

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Target group and level

Oberstufe

Subjects

non-subject specific contentEthicsPhilosophyGerman

Blatt vor dem Mund? Von Grenzgänger:innen und Tabubrecher:innen

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Grenzen des Sagbaren - Eine Zeitreise

Was wir heute als „normal“ empfinden, war früher oft ein Grund für Gefängnisstrafen oder gesellschaftliche Verbannung. Ein Tabu markiert die Grenze dessen, was eine Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt als akzeptabel ansieht. Wer diese Grenze überschreitet, erzeugt Reibung. In der Literaturgeschichte wurde diese Grenze immer wieder neu verhandelt:

  • 1774: Johann Wolfgang von Goethe – „Die Leiden des jungen Werthers“
  • Das Tabu: Der Suizid aus Liebeskummer und die Radikalität der Gefühle.
  • Grund des Verbots: Die Kirche und der Staat sahen im Freitod eine schwere Sünde und eine Gefahr für die öffentliche Moral. Man befürchtete Nachahmungstaten (der „Werther-Effekt“), weshalb das Buch regional verboten und beschlagnahmt wurde. Es war der erste „Hate-Moment“ der deutschen Literaturgeschichte.
  • 1891: Frank Wedekind – „Frühlings Erwachen“
  • Das Tabu: Pubertät, Masturbation und jugendliche Sexualität.
  • Grund des Verbots: Im Kaiserreich galt Sexualität als reines Schamthema. Das Stück wurde wegen „Unmoral“ und „Gotteslästerung“ verboten. Erst 1906 durfte es in einer stark zensierten Fassung aufgeführt werden – unzensiert war es erst Jahrzehnte später zu sehen.
  • 1936: Klaus Mann – „Mephisto“
  • Das Tabu: Die Kritik am Mitläufertum im Dritten Reich.
  • Grund des Verbots: Hier verschob sich das Tabu ins Rechtliche. Nach dem Krieg blieb das Buch in der BRD bis 1981 verboten, da man den Schutz der Persönlichkeitsrechte (des Schauspielers Gustaf Gründgens) höher bewertete als die Kunstfreiheit.

Heute erleben wir eine neue Verschiebung: Tabus werden seltener durch staatliche Gesetze, sondern durch soziale Dynamiken in digitalen Medien (z. B. Shitstorms) verhandelt. Begriffe wie „Cancel Culture“ oder „Provokations-Marketing“ bestimmen die Debatte um moderne Künstler:innen wie die folgende Person.

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Die Macht des Wortes - Tabu-Analyse

Arbeitsauftrag:

  1. Lies die Zitate aufmerksam durch.
  2. Schreibe in jedem Zitat das „Trigger-Wort“ oder die „Schlüsselstelle“, die bei einer konservativen Leser:innenschaft/Hörer:innenschaft Widerstand auslösen könnte, heraus.
  3. Ordne die Zitate nach deinem persönlichen Empfinden von ganz oben (leicht provokant) bis ganz unten (absoluter Tabubruch) ein. Begründe dies anschließend. Beachte, dass die "Lösung" individuell ist und die vorgegebene Antwort nicht die richtige Lösung ist.

Der Song Ikkimel - Mami: Kontrovers und Provokant

"Writer würden gerne meine Songs schreiben, aber ist nicht
Sie würden gerne kleine Fotze sein, aber ich bin's (Ah)
Auf einmal wollen alle so sein so wie this bitch
Wird mal wieder Zeit, dass ich 'nem Typen ins Gesicht piss'"

"Ich bin nur mit Queens, weil ich 'n Macker nie gebraucht hab'
Lass' sie für mich sterben, so als wär'n sie paar Bauern"

"Aua, aua, Mann, ich liebe dieses Machtspiel
Alles, was mich intressiert, ist rotzen, shoppen, abzieh'n
Ich krieg' gleich Besuch, also putz mal jetzt, du Lappen"

"Mein Sex ist ganz sicher nicht stanni
Der kleine HS sieht ziemlich tuff aus
Räumt die Spülmaschine aus und dann nennt er mich Mami"

"Mach erstmal die Toilette und den Boden wischst du auch
Wechsel meine Bettwäsche und sie aufhäng'n tust du auch
Mami hat zu tun, Schatzi, bring den Müll raus
Der Kühlschrank ist schon wieder leer, also füll auf"

"Fuck, ich steh' auf Playboys, weil ich selber einer bin
Ja, ich steh' auf Spielchen und ich bin der Hauptgewinn
Gott entsandt mich als elfte Plage
Seitdem fick' ich aus Protest nur auf Nase"

Trigger-Wort/Schlüsselstelle

Ordne die Zitate nach deinem persönlichen Empfinden.

Hier findest du Platz für deine Begründung.

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Besprechung im Plenum

Arbeitsauftrag: Besprich zunächst deine Ergebnisse mit deinem Sitzpartner / deiner Sitzpartnerin. Tauscht euch dann gemeinsam im Plenum aus. Weshalb empfindet ihr bestimmte Begriffe als triggernd? Welches Zitat war für euch das kontroverseste?

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Warum der "Hate"?

Arbeitsauftrag (Partnerarbeit): Analysiert die Reaktion der Öffentlichkeit (Kommentare, Rezensionen, Social Media). Erstellt eine Mindmap zum Thema „Anatomie der Empörung“.

  • Welche Kategorien von Kritik lassen sich finden? (z. B. „Niveaulosigkeit“, „Gefährdung der Jugend“, „Sexismus-Vorwurf“, „Sprachverfall“).
  • Belegt diese Kategorien, indem ihr Begriffe aus den Zitaten den jeweiligen Vorwürfen zuordnet.


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MUSTERLÖSUNG FÜR DIE LEHRKRAFT!!!

Anatomie der Empörung: Ikkimels „Mami“

Einleitung

Die Veröffentlichung von Ikkimels Song „Mami“ hat die Öffentlichkeit gespalten und eine Vielzahl von Reaktionen hervorgerufen. Diese reichen von Unterstützung und Anerkennung bis hin zu starker Kritik und Empörung. In dieser Analyse werden die verschiedenen Kategorien der Kritik untersucht und mit Begriffen aus den Songtexten belegt.

Kategorien der Kritik

Niveaulosigkeit

Ein häufig vorgebrachter Kritikpunkt ist die angebliche Niveaulosigkeit der Songtexte. Begriffe wie „kleine Fotze“ und „ins Gesicht piss“ werden als vulgär und provokativ empfunden, was bei vielen Zuhörer:innen auf Ablehnung stößt. Diese Ausdrucksweise wird als unangemessen und wenig anspruchsvoll erachtet und dient oft als Grundlage für die Kritik an der Qualität der Musik.

Gefährdung der Jugend

Die in „Mami“ behandelten Themen wie Machtspiele und provokante sexuelle Inhalte führen zu Bedenken hinsichtlich der Jugendgefährdung. Kritiker:innen argumentieren, dass die Texte einen negativen Einfluss auf junge Menschen haben könnten, indem sie fragwürdige Verhaltensweisen und Werte vermitteln. Der Ausdruck „Ich steh’ auf Spielchen und ich bin der Hauptgewinn“ wird als Beispiel für die Verherrlichung von Oberflächlichkeit und materialistischen Werten betrachtet.

Sexismus-Vorwurf

Der Vorwurf des Sexismus richtet sich sowohl gegen die Entsexualisierung als auch gegen die Darstellung von Machtverhältnissen. Ikkimel selbst stellt sich als mächtige Figur dar, während Männer in ihren Texten herabgewürdigt werden, etwa durch den Begriff „Haussklaven“. Diese Umkehrung traditioneller Geschlechterrollen wird von einigen als sexistisch gegenüber Männern angesehen, während andere sie als feministische Ermächtigung interpretieren.

Sprachverfall

Ein weiterer Kritikpunkt ist der angebliche Sprachverfall, der durch die Verwendung von umgangssprachlichen und teilweise aggressiven Ausdrücken wie „Rotzen, shoppen, abzieh’n“ zu erkennen ist. Diese Art der Sprache wird als eine Abkehr von traditioneller Sprachästhetik wahrgenommen und führt zu Debatten über den Einfluss moderner Musik auf die deutsche Sprache.

Fazit

Die öffentliche Reaktion auf Ikkimels „Mami“ ist vielfältig und zeigt, wie polarisierend die Inhalte ihrer Musik sein können. Während einige die Provokation und das Durchbrechen von Normen als kreativ und erfrischend empfinden, kritisieren andere die Texte als unangemessen und schädlich. Diese Analyse verdeutlicht, dass die Empörung über Ikkimel tief in gesellschaftlichen und kulturellen Normen verwurzelt ist und weiterhin Diskussionen auslösen wird.

Zwischenergebnis: Strukturübersicht

Partnerarbeit: Erstellt eine Übersicht, die das Tabu des Werkes definiert:

  • Was wird gezeigt/gesagt? (Ebene der Darstellung)
  • Was wird dadurch verletzt? (Ebene der gesellschaftlichen Norm, z. B. Schamgefühl, politische Korrektheit, religiöse Gefühle).

💡 Hilfestellung zur Definition (Scaffolding): Nutzt folgende Bausteine für eure Definition:

  • Identifikation: „Der Tabubruch bei (Künstler:in) liegt primär im Bereich der … (z. B. Sexualität, politischen Korrektheit, religiösen Symbole).“
  • Mechanismus: „Indem (Künstler:in) Begriffe wie ‚…‘ verwendet oder die Situation ‚…‘ beschreibt, wird die Grenze des bisher Üblichen überschritten.“
  • Wirkungsabsicht: „Dies provoziert Ablehnung, weil es gegen die gesellschaftliche Norm der … verstößt, bietet aber gleichzeitig die Chance, über … neu nachzudenken.“

Was wird gezeigt/gesagt? (Ebene der Darstellung)

Was wird dadurch verletzt?

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Das Pendel der Moral - Grenzverschiebungen

Der historische Abgleich

Tabus sind nicht statisch; sie wandern. Vergleiche die vorliegenden Zitate mit Tabus vergangener Epochen.

Arbeitsauftrag Partnerarbeit: Zuordnungsaufgabe & Vergleich Überlegt gemeinsam: Wenn man diese Zitate 50 Jahre in die Vergangenheit versetzt hätte - was wäre passiert?

Fülle aus.

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Grenzverschiebungen von Tabus in der Musikindustrie

Zitat Nr. 1

Heutiges Tabu: Direkte und provokante Sprache gegenüber Geschlechterrollen und sexuelle Selbstbestimmung.
Vergleichbares Tabu früher: Offene Diskussion über Sexualität und Geschlechterrollen war verpönt. Frauen wurden oft in passiven Rollen dargestellt.
Status der Grenze: Die Grenze hat sich verschoben hin zu einer gesellschaftlichen Akzeptanz offener Diskussionen über Sexualität und Geschlechterrollen. Künstler:innen nutzen provokante Sprache, um traditionelle Geschlechterrollen zu hinterfragen und zu verändern.

Zitat Nr. 2

Heutiges Tabu: Provokantes Verhalten und Sprache gegenüber Männern, die herabsetzend wirkt.
Vergleichbares Tabu früher: Frauen, die sich gegen die patriarchalen Strukturen auflehnten, galten als Tabubruch. Solche Verhaltensweisen wurden oft als unangemessen angesehen.
Status der Grenze: Die Grenze hat sich verschoben, da Frauen heute mehr Freiheit haben, sich gegen patriarchale Strukturen zu äußern. Provokante Sprache wird als Ausdruck von Selbstbestimmung und Emanzipation gesehen.

Zitat Nr. 3

Heutiges Tabu: Darstellung von Frauen als eigenständig und unabhängig von männlichen Partnern.
Vergleichbares Tabu früher: Frauen wurden oft als abhängig von Männern dargestellt; Unabhängigkeit wurde selten thematisiert.
Status der Grenze: Diese Grenze hat sich stark verschoben. Weibliche Unabhängigkeit und Eigenständigkeit sind heute gesellschaftlich akzeptiert und werden gefeiert.

Zitat Nr. 4

Heutiges Tabu: Respektlosigkeit gegenüber anderen und Materialismus.
Vergleichbares Tabu früher: Materialistische und respektlose Verhaltensweisen wurden als unangemessen und gesellschaftlich verpönt angesehen.
Status der Grenze: Die Grenze hat sich verändert, da solches Verhalten in bestimmten Musikgenres als Ausdruck von Erfolg und Selbstbewusstsein dargestellt wird.

Zitat Nr. 5

Heutiges Tabu: Dominanz und Macht in sexuellen Beziehungen.
Vergleichbares Tabu früher: Offene Diskussionen über Sexualleben und Machtverhältnisse in Beziehungen waren tabuisiert.
Status der Grenze: Die Grenze hat sich verschoben, da solche Themen jetzt offen in der Kunst behandelt werden, um Diskussionen über Geschlechterrollen und Machtverhältnisse anzuregen.

Zitat Nr. 6

Heutiges Tabu: Herabsetzung von traditionellen Rollenbildern.
Vergleichbares Tabu früher: Traditionelle Rollenbilder wurden kaum hinterfragt und galten als gesellschaftlicher Standard.
Status der Grenze: Die Grenze hat sich verändert, da traditionelle Rollenbilder zunehmend hinterfragt und neu definiert werden.

Zitat Nr. 7

Heutiges Tabu: Spiel mit Geschlechterrollen und Identitäten.
Vergleichbares Tabu früher: Geschlechterrollen waren strikt und kaum flexibel; Spiel mit Identitäten wurde oft nicht akzeptiert.
Status der Grenze: Die Grenze hat sich verschoben, da Spiel mit Geschlechterrollen und Identitäten heute als Ausdruck von Individualität akzeptiert wird.

Zitat Nr. 8

Heutiges Tabu: Provokantes und rebellisches Verhalten gegenüber religiösen und gesellschaftlichen Normen.
Vergleichbares Tabu früher: Rebellion gegen religiöse und gesellschaftliche Normen wurde als Tabubruch angesehen.
Status der Grenze: Die Grenze hat sich verschoben, da Künstler:innen heute mehr Freiheit haben, bestehende Normen zu hinterfragen und zu kritisieren.

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Das Pendel der Moral

Arbeitsauftrag Strukturübersicht: Zeichne ein Koordinatensystem. Die x-Achse steht für die Zeit, die y-Achse für die "Grenze des Sagbaren". Zeichne ein, wie sich die Grenze durch aktuelle Künstler:innen verschoben hat.

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MUSTERLÖSUNG FÜR DIE LEHRKRAFT!!!

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Reflexion

Arbeitsauftrag: Wähle eine der folgenden Optionen zur Vertiefung:

  • Der fiktive Dialog: Schreibe ein Gespräch zwischen einem Kritiker / einer Kritikerin von 1955 und einem Fan von heute über deine Grafik.
  • Die Verteidigungsrede: Warum muss die Kurve der y-Achse nach oben ausschlagen? Verfasse ein kurzes Statement aus Sicht der Kunstfreiheit.

Der fiktive Dialog

Die Verteidigungsrede

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Fiktiver Dialog: Kunst und Kultur im Wandel der Zeit

Kritiker:in von 1955: Guten Tag! Ich habe Ihre Grafik mit der stetig wachsenden Kurve gesehen. Sie erinnert mich an den ständigen Wandel der Kunst und Kultur. Dennoch frage ich mich, ob es nicht Grenzen gibt, die wir beachten sollten, insbesondere in der Literatur und Songschreibung.

Fan von heute: Hallo! Es freut mich, dass Sie sich mit der Grafik auseinandersetzen. Die Kurve symbolisiert tatsächlich das Wachstum und die Entwicklung von Kunst. Ich glaube, dass Kunstfreiheit heute mehr Raum hat, als je zuvor. Grenzen werden oft hinterfragt und neu definiert.

Kritiker:in von 1955: Ich verstehe Ihren Standpunkt. Doch gibt es nicht Themen, die einfach tabu bleiben sollten? In den 1950er Jahren war es undenkbar, bestimmte gesellschaftliche Normen infrage zu stellen.

Fan von heute: Das stimmt, damals waren viele Themen tabu. Heute versuchen Künstler:innen jedoch, genau diese Grenzen zu verschieben, um wichtige Diskussionen anzustoßen. Literatur und Musik sind mächtige Werkzeuge, um gesellschaftliche Veränderungen zu fördern.

Kritiker:in von 1955: Interessant. Dennoch sorge ich mich, dass die komplette Freiheit auch zu einer Beliebigkeit führen könnte. Wäre es nicht besser, einige Tabus zu bewahren, um eine gewisse Qualität zu sichern?

Fan von heute: Eine berechtigte Sorge. Aber ich denke, die Qualität der Kunst hängt nicht von Tabus ab, sondern von der Ehrlichkeit und der Authentizität der Künstler:innen. Durch das Brechen von Grenzen können neue Perspektiven entstehen, die wiederum inspirieren und bereichern.

Kritiker:in von 1955: Sie haben einen Punkt. Vielleicht ist es Zeit, die Rolle von Tabus in der Kunst neu zu überdenken. Ihre Grafik hat mir gezeigt, dass Wachstum und Wandel unvermeidlich sind.

Fan von heute: Genau, und in diesem Wandel liegt die Stärke der Kunst. Durch die Freiheit, Grenzen zu verschieben, können wir als Gesellschaft lernen und uns weiterentwickeln. Ich hoffe, dass die Kunst auch in Zukunft eine Plattform für solche Gespräche bleibt.

Kritiker:in von 1955: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch. Es ist erfrischend, die heutige Perspektive zu hören. Vielleicht sollte ich meine Sichtweise auch etwas öffnen.

Fan von heute: Danke, dass Sie sich darauf eingelassen haben. Der Dialog zwischen verschiedenen Zeiten und Ansichten ist essenziell für das Verständnis und die Weiterentwicklung der Kunst.


Verteidigungsrede: Die Freiheit der Kunst

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Angesicht der stetig wachsenden Kurve, die die Grenzen des Sagbaren symbolisiert, möchte ich eine Verteidigungsrede zur Freiheit der Kunst halten. Kunst ist ein Spiegel der Gesellschaft, ein Ausdruck des Wandels und der Entwicklung, und sie muss die Freiheit haben, sich über jede Grenze hinweg zu bewegen.

Die Kurve der y-Achse schlägt nach oben aus, weil Kunst ständig nach neuen Höhen strebt. Sie hinterfragt, provoziert und inspiriert. In den 1950er Jahren war die Kunst von der Fixierung auf den Wiederaufbau geprägt, wie die kulturellen Insignien dieser Zeit zeigen. Doch die Kunst hat sich weiterentwickelt und hat nun die Freiheit, die starren Grenzen der Vergangenheit zu überwinden.

Kunst muss die Freiheit haben, Tabus zu brechen und neue Diskussionen zu entfachen. Sie darf nicht durch gesellschaftliche Normen eingeschränkt werden, sondern sollte als ein Instrument zur Förderung von Veränderungen und zur Erweiterung des Horizonts dienen. Kunst ist ein mächtiges Werkzeug, das neue Perspektiven eröffnet und uns dazu bringt, die Welt um uns herum kritisch zu betrachten.

Die Freiheit der Kunst ist essenziell für eine lebendige und progressive Gesellschaft. Sie erlaubt es uns, uns weiterzuentwickeln und zu lernen. Lassen Sie uns die Kunst in ihrer Vielfalt und Ungebundenheit feiern und als Katalysator für den gesellschaftlichen Wandel verstehen. Vielen Dank.