Ethische Herausforderungen und professionelle Haltung
Zielsetzung: Das Arbeitsblatt zielt darauf ab, die Lernenden für ethische Herausforderungen, Stressbewältigung und professionelle Haltung in der Pflege zu sensibilisieren. Durch die Analyse eines Fallbeispiels sollen sie lernen, Wertekonflikte (Autonomie vs. Schutz) zu erkennen, Verantwortlichkeiten zu klären und deeskalierende Kommunikation anzuwenden.
Inhalte und Methoden: Inhaltlich setzt sich das Arbeitsblatt mit persönlichen Werten, ethischen Konflikten und nonverbaler Gewalt in der Pflege auseinander, insbesondere im Spannungsfeld zwischen Schutz, Autonomie, Würde und Teamdruck anhand eines Fallbeispiels. Methodisch reflektieren die Lernenden zunächst ihre eigenen Werte und Stressreaktionen und analysieren anschließend das Fallbeispiel durch Werteabwägung, Perspektivenwechsel und Risikoanalyse. Ergänzend fördern Übungen zur Verantwortlichkeitsklärung sowie Teamsimulationen mit deeskalierenden Aussagen die Entwicklung professioneller Handlungsstrategien im Pflegealltag.
Kompetenzen:
- Ethische Urteilsbildung: Analyse und Klärung von Wertekonflikten in der Stresssituation (Autonomie vs. Fürsorge/Schutz)
- Professionelle Haltung: Entwicklung von Deeskalations- und Interventionsstrategien zur Vermeidung von Gewalt
- Team- und Kommunikationskompetenz: Förderung von Teamreflexion, Konfliktansprache und Verantwortungsübernahme
Zielgruppe und Niveau: Das Arbeitsblatt richtet sich an Personen in Pflegeberufen oder in der Ausbildung.
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Target group and level
Auszubildende im Pflegeberuf
Subjects
Ethische Herausforderungen und professionelle Haltung


Persönliche Werte und professionelle Haltung
Beantworten Sie die Fragen:
- Welche persönlichen Werte sind Ihnen in der pflegerischen Arbeit besonders wichtig?
- In welchen Situationen geraten diese Werte in Konflikt mit beruflichen Anforderungen oder institutionellen Vorgaben?

Werte-Check
Markieren Sie spontan (✔), welche Werte Sie in Stresssituationen häufig unbewusst höher gewichten.
Teilen Sie die wichtigsten Aspekte im Plenum.
| Wert | ✔ |
|---|---|
| Sicherheit/Schutz | |
| Selbstbestimmung | |
| Würde | |
| Fürsorge | |
| Gerechtigkeit | |
| Loyalität gegenüber Team |
Überrascht Sie Ihre Auswahl? Warum (nicht)?

Ampelreflexion
Ordnen Sie die folgenden Aussagen einer Ampelfarbe zu:
Rot = geht gar nicht
Gelb = kritisch, aber vielleicht erklärbar
Grün = akzeptabel

Fallbeispiel: „Zwischen Schutz, Autonomie und Teamdruck“
Lesen Sie das Fallbeispiel aufmerksam durch.
Ziel ist es, professionelle Kommunikation und Teamreflexion miteinander zu verbinden.
Ethische Herausforderungen beim Umgang mit Essensverweigerung
Im Pflegeheim verweigert eine Bewohnerin das Mittagessen. Die anwesende Pflegekraft, die unter erheblichem Zeitdruck und Personalmangel steht, reagiert genervt und drängt die Bewohnerin grob zum Essen. Die Situation wird von weiteren Kolleg:innen beobachtet, die sich jedoch aufgrund der angespannten Personalsituation überfordert fühlen. Im Zentrum des ethischen Dilemmas stehen die Werte Autonomie und Selbstbestimmung der Bewohnerin im Kontrast zur Fürsorge- und Schutzpflicht der Pflegekraft. Während die Bewohnerin das Recht auf eigene Entscheidungen bezüglich ihrer Nahrungsaufnahme hat, sieht die Pflegekraft sich verpflichtet, für das körperliche Wohl der Bewohnerin zu sorgen und mögliche gesundheitliche Risiken durch Nahrungsverweigerung abzuwenden. Die konkrete Entscheidungssituation besteht darin, ob das Essensangebot weiterhin forciert oder der Wille der Bewohnerin respektiert werden soll. Professionelle Herausforderungen ergeben sich insbesondere in der Kommunikation zwischen Pflegekraft und Bewohnerin, der Wahrung von Empathie und Würde, der Rollen- und Grenzsetzung sowie im Umgang mit Stress und Teamkonflikten. Mögliche Risiken sind psychische und physische Schädigungen der Bewohnerin, eine Verschlechterung des Vertrauensverhältnisses, negative Auswirkungen auf das Teamklima und eine Beeinträchtigung der Versorgungsqualität.

Kurzdiagnose: Was ist das Problem?

Werte-Spannung erkennen

Verantwortlichkeiten klären
Welche Verantwortlichkeiten haben die folgenden Personen in diesem Fall?
| Person / Rolle | Verantwortlichkeiten in diesem Fall | Konkrete Handlungsmöglichkeiten |
|---|---|---|
| Bewohnerin | ||
| Pflegekraft | ||
| Kolleg:innen | ||
| Pflegeleitung |

30-Sekunden-Reflexion mit Entscheidungsoptionen priorisieren
Beantworten Sie die erste Frage spontan.
Gehen Sie anschließend in Kleingruppen zusammen und nennen Sie drei mögliche Handlungsoptionen.
Was brauche ich selbst, um in dieser Situation professionell handeln zu können?

Teamaufgabe: Perspektivenrunde
Formulieren Sie innerhalb Ihrer Gruppe zu jeder Person/Personen(gruppe) einen Satz.

Risikoanalyse
Welche Risiken entstehen, wenn NICHT gehandelt wird?

Kommunikationsaufgabe mit Teamsimulation
Versetzen Sie sich in die beschriebene Situation und handeln Sie aus einer professionellen Haltung heraus.
Formulieren Sie zwei zusammengehörige Aussagen:
- Einen klaren, wertschätzenden Satz, den Sie direkt zur betroffenen Person sagen würden, um die Situation zu deeskalieren und Orientierung zu geben.
- Eine offene Frage an das Team, mit der Sie die Situation gemeinsam reflektieren und lösungsorientiert klären.
Achten Sie darauf, dass beide Aussagen inhaltlich zusammenpassen und Ihre professionelle Haltung widerspiegeln.
Lösung für die Lehrkraft
🚦 Einschätzung von Situationen (Ampelmodell)
Kreuze die passende Einschätzung an:
| Situation | 🔴 Rot | 🟡 Gelb | 🟢 Grün | Begründung |
|---|---|---|---|---|
| Der Bewohner soll sich nicht so anstellen. | Diese Aussage zeigt wenig Empathie und Verständnis für die Bedürfnisse des:r Bewohner:in. | |||
| Ich bin genervt, aber ich mache einfach weiter wie bisher. | Es besteht die Gefahr von Überlastung, aber die Situation ist noch unter Kontrolle. | |||
| Ich entschuldige mich, wenn ich zu hart reagiert habe. | Zeigt Einsicht und Bereitschaft zur Verbesserung im Umgang mit anderen. | |||
| Ich brauche Unterstützung, weil ich merke, dass ich kurz vorm Ausrasten bin. | Dringender Handlungsbedarf, um die Situation zu beruhigen und Unterstützung zu suchen. |
| Person / Rolle | Verantwortlichkeiten in diesem Fall | Konkrete Handlungsmöglichkeiten |
|---|---|---|
| Bewohnerin | Wahrung der Autonomie und Selbstbestimmung hinsichtlich ihrer Essensentscheidungen. | Kommunikation ihrer Wünsche und Bedürfnisse klar äußern. |
| Pflegekraft | Fürsorge- und Schutzpflicht gegenüber der Bewohnerin sowie Sicherstellen ihrer körperlichen Gesundheit. | Empathische Kommunikation, Respektierung der Autonomie der Bewohnerin, und Suche nach alternativen Wegen zur Sicherstellung der Ernährung. |
| Kolleg:innen | Unterstützung der Pflegekraft und Förderung eines positiven Teamklimas. | Beobachtung und Intervention bei Konflikten, um eine respektvolle Lösung zu fördern. |
| Pflegeleitung | Sicherstellung der Versorgungsqualität und Unterstützung des Teams bei ethischen Herausforderungen. | Bereitstellung von Schulungen und Ressourcen, um den Umgang mit Essensverweigerung zu verbessern und Teamkonflikte zu reduzieren. |