Gewalt in der Pflege: Erkläransätze
Zielsetzung: Die Auszubildenden setzen sich mit dem Phänomen von Gewalt in der Pflege auseinander und lernen eine spezifische Theorie als Erklärungsansatz kennen. Sie reflektieren eigene Erfahrungen und übertragen das theoretische Modell auf konkrete Situationen aus dem Pflegealltag.
Inhalte und Methoden: Das Arbeitsblatt beginnt mit einer persönlichen Reflexion zu erlebter oder beobachteter Gewalt in der Pflege. Im Anschluss bearbeiten die Lernenden einen gut strukturierten Fachtext zu einem Erklärungsansatz mit Verständnisfragen, Wortschatztraining und einem Steckbrief zur Theorie. Abschließend reflektieren sie eigene Erfahrungen mithilfe der Theorie, um Zusammenhänge zwischen innerem Druck, Aggression und professionellem Umgang zu erkennen.
Kompetenzen:
- Theoretische Einordnung von Aggression und Gewalt im Pflegekontext
- Anwendung eines psychologischen Modells auf eigene Erfahrungen
- Entwicklung präventiver Strategien im Umgang mit Aggression
- Förderung von Selbstreflexion und professioneller Haltung
Zielgruppe und Niveau: Berufsfachschule Pflege, ab dem 2. Ausbildungsjahr
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Target group and level
Auszubildende im Pflegeberuf
Subjects
Gewalt in der Pflege: Erkläransätze


Reflexion
- Notieren Sie Situationen aus der Pflege, wo Sie Gewalt erlebt oder mitbekommen haben: Sei es durch eine Pflegekraft gegenüber eines/r Patient:in, Patient:in gegenüber einer Pflegekraft, ...
- Diskutieren Sie zu zweit: Was könnten Gründe und Ursachen für Gewalt sein, die Pflegefachkräfte gegenüber Patient:innen ausüben bzw. auch umgekehrt erfahren?
- Versuchen Sie Ihre Überlegungen zu clustern und tragen Sie im Plenum zusammen.
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Aufgaben
Lesen Sie sich den Info-Text durch und überprüfen Sie Ihr Verständnis mithilfe des Quiz. Füllen Sie im Anschluss den Steckbrief aus.
Der psychoanalytische Erkläransatz von Gewalt
Einführung
Die Psychoanalyse, eine Theorie und Therapieform, die von Sigmund Freud begründet wurde, bietet einen tiefen Einblick in die psychologischen Mechanismen, die Gewalt und Aggression auslösen können. Der psychoanalytische Ansatz betrachtet Gewalt als Ausdruck innerpsychischer Konflikte und Triebe, die oft in der Kindheit verwurzelt sind. Diese Perspektive ist für Pflegeauszubildende besonders relevant, da sie Einblicke in die psychischen Prozesse von Patient:innen bietet, die möglicherweise unter aggressiven oder gewalttätigen Impulsen leiden.
Freud und die Triebtheorie
Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, entwickelte die Triebtheorie, die besagt, dass menschliches Verhalten durch zwei grundlegende Triebe bestimmt wird: den Lebenstrieb (Eros) und den Todestrieb (Thanatos). Der Lebenstrieb umfasst die Sexualtriebe und die Selbsterhaltung, während der Todestrieb eine destruktive Kraft darstellt, die auf Selbstzerstörung und Aggression abzielt. Freud postulierte, dass Aggressionen gegen andere oft eine Abweichung dieser destruktiven Energie sind, die ursprünglich gegen das eigene Selbst gerichtet ist.
Gewalt als Ausdruck psychischer Konflikte
In der psychoanalytischen Theorie wird Gewalt oft als ein Ausdruck unbewusster Konflikte und verdrängter Emotionen betrachtet. Diese Konflikte können aus frühen Kindheitserfahrungen stammen, in denen Bedürfnisse nicht befriedigt oder Traumata erlebt wurden. Die Psychoanalyse sieht Gewalt als eine Handlung, die das resultierende innere Chaos und den psychischen Schmerz nach außen projiziert.
Sublimierung und Abwehrmechanismen
Freud führte den Begriff der Sublimierung ein, um zu erklären, wie aggressive Triebe in sozial akzeptable Handlungen umgewandelt werden können. Abwehrmechanismen wie Projektion und Verschiebung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der psychoanalytischen Betrachtung von Gewalt. Diese Mechanismen helfen Individuen, mit inneren Konflikten umzugehen, indem sie diese auf andere Menschen oder Objekte übertragen.
Kritik und Weiterentwicklungen
Obwohl Freuds Theorie wegweisend war, wird sie in der modernen Psychoanalyse häufig erweitert und modifiziert. Andere Psychoanalytiker, wie Alfred Adler, betonten die Rolle sozialer Faktoren und individueller Lebensstile in der Entstehung von Aggression und Gewalt. Adler sah Aggression weniger als biologischen Instinkt, sondern als Teil der individuellen Bewältigungsstrategie von alltäglichen Herausforderungen.
Relevanz für die Pflegeausbildung
Für Pflegeauszubildende ist das Verständnis der psychoanalytischen Erklärungsansätze von Gewalt wichtig, um Patient:innen ganzheitlich zu betreuen. Indem sie die inneren Konflikte und psychologischen Mechanismen erkennen, die Gewalt und Aggression fördern, können Pflegekräfte effektivere therapeutische und kommunikative Strategien entwickeln.
Quellen
Wählen Sie die richtige Antwort aus.


Abschlussreflexion
Schauen Sie sich noch mal Ihre Notizen zu Ihren Gewalterfahrungen in der Pflege an. Reflektieren Sie gemeinsam und versuchen Sie diese Erlebnisse mithilfe der Theorie zu erklären.
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