Gruppenpuzzle: Philosoph:innen und deren Theorien

Gruppenpuzzle: Philosoph:innen und deren Theorien

Zielsetzung: Ziel ist das Erlernen der Gruppenpuzzle-Methode zur eigenständigen Erschließung komplexer philosophischer Denkmodelle. Die Teilnehmenden setzen sich sachlich und kritisch mit philosophischen Grundfragen auseinander und bewerten diese im fachlichen Austausch. Die beispielhaften Inhalte dienen als variables Modell für ein systematisches Methodentraining.


Inhalte und Methoden: Das Arbeitsblatt nutzt ein kooperatives Gruppenpuzzle zur Erschließung philosophischer Kernideen. Nach einer individuellen Spezialisierungsphase vertiefen die Lernenden ihr Wissen in Expert:innenrunden und vermitteln es anschließend in Stammgruppen. Die Ergebnisse werden in einer Tabelle zu Hauptwerken und Thesen systematisiert. Ein fiktives Rollengespräch am Ende setzt die Positionen in einen modernen Kontext. Die gesamte inhaltliche Füllung – sowohl die Auswahl der Philosoph:innen als auch die Theorien – ist dabei als austauschbare Grundlage konzipiert.


Kompetenzen:

  • Fachkompetenz: Verständnis zentraler philosophischer Strömungen und die Fähigkeit, komplexe Denkmodelle sachlich zusammenzufassen
  • Methodenkompetenz: Beherrschung des Gruppenpuzzles als kooperative Lernform sowie Sicherheit in der zielgerichteten Fachrecherche
  • Kritische Urteilskompetenz: Sachliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Weltbildern und deren Relevanz für moderne philosophische Theorien
  • Sozial- und Kommunikationskompetenz: Verantwortungsvolle Wissensvermittlung in der Peer-Gruppe und Durchführung perspektivischer Rollengespräche


Zielgruppe und Niveau:

Mittel- & Oberstufe

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Target group and level

Mittelstufe & Oberstufe

Subjects

PhilosophyEthics

Gruppenpuzzle: Philosoph:innen und deren Theorien

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🔎 Entdecke die Welt der Philosoph:innen und deren Theorien

Entdecke die faszinierende Welt der Philosophie, in der bahnbrechende Denker:innen seit Jahrhunderten die Grundfesten unserer Existenz hinterfragen. Von der Natur unseres Verstandes bis hin zur radikalen Freiheit des Einzelnen bieten diese Theorien neue Perspektiven auf unser tägliches Handeln. Tauche ein in ein Geflecht aus logischen Argumenten und visionären Ideen, die bis heute bestimmen, wie wir die Welt und uns selbst verstehen.

Auf dem Bild sieht man vier berühmte Philosoph:innen, die scheinbar gemeinsam in einer Szene dargestellt sind, obwohl sie historisch und räumlich nicht in derselben Zeit zu Hause waren. Das Bild kombiniert unterschiedliche Stile: Links befindet sich ein klassisches Portrait von Immanuel Kant, der im 18. Jahrhundert wirkte. Er sitzt an einem Schreibtisch, auf dem mehrere Bücher liegen, eines ist offen vor ihm aufgeschlagen – möglicherweise seine „Kritik der reinen Vernunft“. Kants Haltung ist nachdenklich, der Zeigefinger an die Wange gelegt, typisch für nachdenkliche Posen klassischer Gemälde.

Rechts davon sieht man eine lebendige, farbige Szenerie, die wie eine Cafészene im Paris der 1950er Jahre wirkt. Hier sitzen Hannah Arendt, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir an einem runden Tisch auf einer typischen Bistroterrasse. Sie diskutieren offenbar angeregt: Arendt hält eine Zigarette in der Hand, Sartre eine Pfeife, sein Blick und seine Handbewegung zeigen intensive Argumentation. De Beauvoir macht sich Notizen, vor ihr liegt ihr berühmtes Buch „Le Deuxième Sexe“ („Das andere Geschlecht“). Auf dem Tisch liegen auch Zeitungen, was auf Aktualität und politisch-philosophische Debatten verweist.

Auffällig ist der Kontrast zwischen dem gemalten, fast statischen Kant und der lebhaften, modernen Cafészene der anderen drei. Kant scheint aus einer anderen Zeit zu blicken, während Arendt, Sartre und de Beauvoir das pulsierende Leben und die intellektuelle Atmosphäre des 20. Jahrhunderts verkörpern. Das Bild verdeutlicht damit auch einen historischen und stilistischen Brückenschlag zwischen der Aufklärung und der Moderne, zwischen Vernunft und Existenzialismus.

Zusammengefasst:  
Das Bild verbindet vier der bedeutendsten Philosoph:innen auf kunstvolle Weise und spielt mit Zeit, Raum und Stil, um die Weiterentwicklung philosophischer Diskurse sichtbar zu machen. Kant steht für Rationalität, Pflicht und Ethik der Aufklärung, Arendt für politische Theorie, Sartre und de Beauvoir für Existenzialismus und Feminismus. Die Szene lädt symbolisch zu einem generationsübergreifenden Dialog ein.

HINWEIS FÜR DIE LEHRKRAFT!!!

Verteile die Philosoph:innen auf deine Schüler:innen. In der Gruppenarbeit sollen alle eine:n andere:n Philosoph:in bekommen und zum Experten / zur Expertin des Philosophen / der Philosophin werden.

🔎Arbeitsauftrag: Lies deine zugeteilte Karte aufmerksam. Recherchiere anschließend zu der Person und werden zum Experten / zur Expertin!

Immanuel Kant

Immanuel Kant
Gelebt: 1724 Königsberg - 1804 Königsberg. Kant war ein bedeutender Denker der Aufklärung und bekannt für seine 'Kritik der reinen Vernunft', die eine grundlegende Wende in der Erkenntnistheorie einleitete.
Berühmteste Theorie: Der kategorische Imperativ ist Kants wichtigste ethische Theorie, die besagt, dass moralisches Handeln durch universelle Gesetzmäßigkeiten bestimmt werden sollte. Kant fordert, dass Menschen gemäß Prinzipien handeln sollten, die sie als allgemeine Gesetze akzeptieren würden.

Hannah Arendt

Hannah Arendt
Gelebt: 1906 Hannover - 1975 New York. Arendt ist bekannt für ihre Analysen totalitärer Systeme und ihre Berichterstattung über den Eichmann-Prozess.
Berühmteste Theorie: Die 'Banalität des Bösen' ist Arendts Konzept, das beschreibt, wie gewöhnliche Menschen unter bestimmten Bedingungen zu unmenschlichen Handlungen fähig sind. Diese Theorie entstand aus ihrer Beobachtung des Eichmann-Prozesses und hat zu intensiven Debatten über die Natur des Bösen geführt.

Jean-Paul Sartre

Jean-Paul Sartre
Gelebt: 1905 Paris - 1980 Paris. Sartre war ein führender Vertreter des Existentialismus und bekannt für seine Werke zur Freiheit und Verantwortung des Individuums.
Berühmteste Theorie: Der Existentialismus, insbesondere die Idee, dass 'die Existenz der Essenz vorausgeht', ist Sartres zentrale philosophische Theorie. Diese Idee betont, dass Menschen zuerst existieren und dann durch ihre Handlungen ihre eigene Essenz schaffen, was die Freiheit und Verantwortung jedes Individuums unterstreicht.

Simone de Beauvoir

Simone de Beauvoir
Gelebt: 1908 Paris - 1986 Paris. De Beauvoir war eine Pionierin des Feminismus und eng mit Jean-Paul Sartre verbunden.
Berühmteste Theorie: 'Das andere Geschlecht' ist de Beauvoirs Werk, das die Rolle der Frau als soziales Konstrukt beschreibt. Der berüchtigte Satz 'Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es' fasst ihre Theorie zusammen, dass Geschlechterrollen durch gesellschaftliche Konditionierung entstehen.

Dein Recherche-Auftrag: Tauche tief in die Gedankenwelt der Philosoph:innen ein!

Immanuel Kant:

Ergründe, was Kant unter dem 'kategorischen Imperativ' versteht und wie diese Idee die moderne Ethik beeinflusst hat. Suche nach dem zentralen Argument in seinem Hauptwerk 'Kritik der reinen Vernunft' und notiere, welche Rolle die menschliche Vernunft darin spielt.

Hannah Arendt:

Recherchiere, warum Hannah Arendt den Begriff 'Banalität des Bösen' prägte und wie er sich auf ihre Totalitarismustheorie auswirkt. Finde heraus, welche politischen Ereignisse in ihrem Leben ihre Theorien beeinflussten und analysiere die Relevanz ihrer Ideen in der heutigen politischen Landschaft.

Jean-Paul Sartre:

Finde heraus, was Sartre mit der Aussage 'Existenz geht der Essenz voraus' meint und wie diese Philosophie die Existentialismus-Bewegung prägt. Suche in seinem Hauptwerk 'Das Sein und das Nichts' nach den zentralen Fragen zur menschlichen Freiheit und Verantwortung und notiere die Kernpunkte.

Simone de Beauvoir:

Recherchiere, wie Simone de Beauvoir die Geschlechterrollen hinterfragt hat und welche Bedeutung ihre Theorie des Geschlechts als soziales Konstrukt hat. Finde in ihrem Hauptwerk 'Das andere Geschlecht' heraus, welche gesellschaftlichen Strukturen sie kritisiert und analysiere die Auswirkungen ihrer feministischen Theorien auf die heutige Geschlechtergleichheit.

✒️ Hier findest du Platz für deine Recherche.

MUSTERLÖSUNG FÜR DIE LEHRKRAFT!!!

Werke und Einflüsse bedeutender Philosoph:innen

Immanuel Kant

Der kategorische Imperativ und die moderne Ethik

Immanuel Kant entwickelte den kategorischen Imperativ als grundlegendes Prinzip moralischen Handelns. Dieser fordert, dass eine Handlung nur dann moralisch ist, wenn die Maxime, nach der gehandelt wird, als allgemeines Gesetz für alle gelten könnte. Der kategorische Imperativ hat die moderne Ethik maßgeblich geprägt, indem er rationale Prinzipien betont und die Würde des Einzelnen achtet. In seinem Hauptwerk "Kritik der reinen Vernunft" untersucht Kant die Grenzen und Möglichkeiten der menschlichen Erkenntnis, wobei die Vernunft als zentraler Faktor für die Erschließung der Welt betrachtet wird.

Hannah Arendt

Die Banalität des Bösen und ihre Totalitarismustheorie

Hannah Arendt prägte den Begriff der "Banalität des Bösen" im Kontext des Prozesses gegen Adolf Eichmann. Sie argumentierte, dass das Böse nicht nur durch sadistische oder pathologische Handlungen gekennzeichnet ist, sondern auch durch Gleichgültigkeit und Denkverweigerung. Diese Idee ist eng mit ihrer Totalitarismustheorie verbunden, die die subtilen Mechanismen der Macht und Diktatur analysiert. Arendts Theorien sind bis heute relevant, da sie die Gefahren des Totalitarismus und die Bedeutung von moralischer Verantwortung in der Politik aufzeigen.

Jean-Paul Sartre

Existenz geht der Essenz voraus: Die Philosophie des Existentialismus

Jean-Paul Sartre formulierte die Existentialismus-Theorie mit dem Grundsatz, dass die Existenz der Essenz vorausgeht. Dies bedeutet, dass der Mensch zuerst existiert und sich durch seine Entscheidungen und Handlungen definiert. In seinem Werk "Das Sein und das Nichts" untersucht Sartre die ontologischen Grundlagen der Freiheit und Verantwortung, wobei er die Autonomie des Menschen und die Komplexität des Bewusstseins thematisiert. Sartres Ideen betonen die individuelle Freiheit und die Verantwortung des Einzelnen für sein eigenes Leben.

Simone de Beauvoir

Geschlechterrollen als soziales Konstrukt: Eine feministische Perspektive

Simone de Beauvoir hinterfragte traditionelle Geschlechterrollen und entwickelte die Theorie, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist. In ihrem Hauptwerk "Das andere Geschlecht" kritisiert sie gesellschaftliche Strukturen, die Frauen als das "Andere" definieren und ihre Freiheit einschränken. Beauvoirs feministische Theorien haben die Geschlechtergleichheit maßgeblich beeinflusst, indem sie die Notwendigkeit einer kulturellen und sozialen Veränderung betonten und Frauen ermutigten, ihre Rolle aktiv zu gestalten.

Diese Philosoph:innen haben durch ihre Werke und Theorien entscheidend zur Entwicklung moderner ethischer, politischer und gesellschaftlicher Diskurse beigetragen. Ihre Gedankenwelt bietet wertvolle Einsichten in die Komplexität der menschlichen Existenz und die Struktur unserer Gesellschaft.

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👥 Transfer und Vergleich

Arbeitsauftrag: Setzt euch nun mit denen zusammen, die die gleiche Person zugeteilt bekommen haben. Vergleicht eure Recherche-Ergebnisse in der Expert:innengruppe: Habt ihr dieselben Infos gefunden? Gab es unterschiedliche Interpretation der Theorien? Kehrt dann in die Stammgruppe zurück.

✒️ Hier findest du Platz, um Infos zu ergänzen.

👥Arbeitsauftrag: Tauscht euch aus. Füllt mit den gesammelten Informationen die Tabelle aus, sodass ihr zu jedem Philosophen / jeder Philosophin alle wichtigen Infos aufgeschrieben habt.

Kategorie Philosoph:in 1 Philosoph:in 2 Philosoph:in 3 Philosoph:in 4
Name und Lebenszeit
Merkmale/ Hauptwerk
Besonderheiten
Ergebnisse der Recherche
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Kreativer Abschluss!

👥Arbeitsauftrag: Diskutiert zunächst in Partnerarbeit und dann gemeinsam in der Lerngruppe! Stellt euch vor, alle vier Philosoph:innen würden sich heute treffen. Worüber würden sie diskutieren? Nutzt eure Recherche-Infos für ein kurzes Rollengespräch.

Diskussionsfragen für ein Treffen der Philosophen

Moral und Verantwortung

  1. Kant betont die universellen Gesetzmäßigkeiten des moralischen Handelns, während Arendt die Verantwortung des Einzelnen in totalitären Systemen thematisiert. Wie würden beide über die Rolle der individuellen Verantwortung in der heutigen globalisierten Welt diskutieren?

Freiheit und Autonomie

  1. Sartre und de Beauvoir beschäftigen sich intensiv mit der Freiheit und der Selbstgestaltung des Individuums. Inwiefern könnte ihre Diskussion über die Bedeutung der Autonomie heute neue Perspektiven auf persönliche und gesellschaftliche Freiheit eröffnen?

Erkenntnis und Vernunft

  1. Kant sieht die Vernunft als zentralen Faktor für die Erschließung der Welt, während Sartre die Komplexität des Bewusstseins betont. Wie könnten beide über die Grenzen und Möglichkeiten der menschlichen Erkenntnis in der digitalen Ära diskutieren?

Geschlechterrollen und soziale Konstrukte

  1. De Beauvoir kritisiert die gesellschaftlichen Strukturen, die Frauen als das "Andere" definieren, und Arendt analysiert die subtilen Mechanismen der Macht. Welche gemeinsamen Ansätze könnten sie finden, um über die Veränderung von Geschlechterrollen und Machtstrukturen in der heutigen Gesellschaft zu sprechen?

Ethik und Existenzialismus

  1. Kant und Sartre haben unterschiedliche Ansätze zur Ethik und zum Existenzialismus. Wie könnten sie die Herausforderungen der modernen Ethik in Bezug auf individuelle Freiheit und universelle Prinzipien diskutieren?

✒️ Macht euch hier Notizen!