KI und Emotionen - kann KI Emotionen verstehen?

Zielsetzung: Das Arbeitsblatt führt Schüler:innen in das komplexe Zusammenspiel von menschlicher Psychologie, Biologie und moderner Technologie ein. Es untersucht, wie Menschen Gefühle erleben und ob eine künstliche Intelligenz (KI) in der Lage ist, diese zu "verstehen".

Inhalt und Methoden: Die Lernenden setzen sich zuerst mit den Grundlagen unserer Emotionen auseinander. Im Anschluss erfahren sie in einem Infotext mehr über die Arbeitsweise von KI, um Emotionen zu lesen. Im Anschluss setzen sie sich in einem Videobeitrag vertiefend mit den aktuellen Möglichkeiten von KI auseinander. In beiden Fällen erhalten die Lernenden Verständnisfragen. Abschließend lesen die Lernenden einen Tagebucheintrag zu einer ausgewählten Emotion. Die Lernenden erarbeiten, ob der Text von einer KI oder von einem Menschen geschrieben wurde.

Kompetenzen:

  • Sachkompetenz: Erwerb von Fachwissen über biologische Kettenreaktionen und technologische Mustererkennung
  • Urteilskompetenz: Kritische Reflexion über den Einsatz von Emotions-KI im Klassenzimmer und die Bewertung ethischer sowie praktischer Folgen
  • Analysekompetenz: Untersuchung von Texten (Tagebucheintrag) auf emotionale Authentizität und Unterscheidung zwischen menschlicher Sprache und KI-generierten Strukturen

Zielgruppe und Niveau: Mittelstufe

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Target group and level

Mittelstufe

Subjects

PoliticsPsychologyEthics

KI und Emotionen - kann KI Emotionen verstehen?

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Die faszinierende Welt der Emotionen: Was fühlst du?

Hast du dich heute schon gefreut, geärgert oder warst du vielleicht nervös vor einer Prüfung? Diese starken Gefühle, die wir Emotionen nennen, sind tägliche Begleiter und ein faszinierender Teil von uns.

Aber was genau sind sie? Stell dir Emotionen wie ein inneres Navigationssystem vor. Sie sind kurze, intensive Reaktionen auf das, was wir erleben oder denken. Sie bewerten blitzschnell, ob etwas gut, schlecht oder gefährlich für uns ist. Wissenschaftler:innen gehen von einigen universellen Basisemotionen aus, die Menschen auf der ganzen Welt erkennen, wie Freude, Trauer, Wut, Angst, Überraschung und Ekel. Aus diesen Grundgefühlen mischen sich unzählige weitere, wie Stolz, Neid oder Mitgefühl, zusammen.

Damit wir eine Emotion spüren, passiert in unserem Körper eine geniale Kettenreaktion. Das Signal startet im Gehirn, genauer im limbischen System, unserem emotionalen Zentrum. Bei Angst ist zum Beispiel die Amygdala, eine Art Alarmanlage, sofort aktiv. Sie sendet über das Nervensystem Botschaften an den gesamten Körper. Daraufhin werden Hormone wie Adrenalin ausgeschüttet. Plötzlich schlägt dein Herz schneller, deine Atmung wird flacher und deine Muskeln spannen sich an. Dein Körper bereitet sich so auf eine Reaktion vor – etwa Flucht oder Kampf.

Emotionen sind also weit mehr als nur ein Gefühl im Kopf. Sie sind eine clevere Zusammenarbeit von Gehirn und Körper, die uns hilft, schnell auf unsere Umwelt zu reagieren und in sozialen Situationen zurechtzukommen.

👥 Partnerarbeit

Schaut euch gegenseitig an. Einer spielt eine Emotion (Wut, Freude, Skepsis etc.), der andere rät.

Frage: Woran hast du die Emotion erkannt? (Augen, Mundwinkel, Körperhaltung?)

Notizen

Hast du die Emotion deines Partners / deiner Partnerin verstanden? Uns Menschen fällt es meistens relativ leicht die Mimik und Gestik unseres Gegenübers zu analysieren und einer Emotion zuzuordnen. Aber gilt das auch für künstliche Intelligenz (KI)?

Fühlende Maschinen? Wie KI unsere Emotionen liest

Hast du dich schon mal gefragt, ob dein Computer oder Smartphone „verstehen“ kann, ob du gerade fröhlich, wütend oder traurig bist? Was wie Science-Fiction klingt, ist bereits Realität. Forscherinnen und Forscher arbeiten daran, einer künstlichen Intelligenz (KI) beizubringen, menschliche Gefühle zu erkennen. Dieses spannende Feld nennt sich „Affective Computing“ oder „Emotion AI“.

Aber wie funktioniert das, wenn eine Maschine doch gar keine eigenen Gefühle hat? Die KI ist wie eine Art Super-Detektivin für Emotionen. Sie analysiert riesige Mengen an Daten, um Muster zu lernen. Dafür nutzt sie verschiedene Hinweise:

  • Mimik: Eine Kamera kann dein Gesicht filmen und analysieren. Sind die Mundwinkel nach oben oder unten gezogen? Sind die Augenbrauen zusammengezogen?
  • Stimme: Ein Mikrofon nimmt auf, wie du sprichst. Eine hohe und schnelle Stimme deutet oft auf Aufregung oder Freude hin, eine langsame und tiefe Stimme eher auf Traurigkeit.
  • Text: Die KI kann auch Chatnachrichten oder E-Mails auswerten. Die Wortwahl und die verwendeten Emojis geben ihr Hinweise auf deine Stimmung.

In manchen Bereichen ist die KI uns Menschen sogar schon überlegen. Eine Studie der Universität Bern hat gezeigt, dass eine KI besser als der durchschnittliche Mensch darin war, echte von nur gespielten Schmerzen zu unterscheiden. Sie erkannte winzige, blitzschnelle Muskelbewegungen im Gesicht, die uns oft entgehen.

Trotzdem ist es wichtig zu verstehen: Die KI erkennt nur Muster, sie fühlt aber nichts. Sie weiß nicht, wie sich Freude oder Trauer wirklich anfühlen. Außerdem ist der Kontext entscheidend. Ein Lächeln kann auch aus Höflichkeit oder Unsicherheit entstehen. Die KI ist also ein starkes Werkzeug zur Emotionserkennung, aber das tiefe, menschliche Verständnis für Gefühle kann sie noch nicht ersetzen.

📋 Wähle die richtige Aussage aus.

📹 Wie KI unsere Emotionen entschlüsselt

Sieh dir das Video an, um dich vertiefend mit dem aktuellen Stand der Forschung zu beschäftigen. Bearbeite dann die Aufgaben mithilfe des Videos.

🔎 Künstliche Intelligenz oder Mensch?

Lies dir den Tagebucheintrag durch und überlege im Anschluss, ob der Text von einer künstlichen Intelligenz oder einem Menschen geschrieben wurde. Bearbeite dafür die Reflexionsfragen.

Hinweis für Lehrkräfte

Der Text wurde von einer KI geschrieben. Diese erhielt die Anweisung einen möglichst menschlichen Text zu schreiben.

  1. Oktober

Liebes Tagebuch,

manchmal ist einfach alles so unglaublich unfair. Heute war wieder so ein Tag, an dem ich am liebsten unsichtbar gewesen wäre – obwohl ich es ja anscheinend eh schon war.

Lena kam heute Morgen in die Schule und alle sind sofort ausgeflippt. Sie hatte diese neuen, weißen Nike Dunks an, die gerade jeder haben will und die überall ausverkauft sind. Sie ist damit herumgelaufen, als wäre sie auf einem Laufsteg. Und natürlich hat jeder sie angestarrt und gesagt, wie cool sie sind.

Als ob das nicht reichen würde, hat sie in der großen Pause ihr neues Handy rausgeholt. Das allerneueste iPhone mit der super Kamera. Sie hat Selfies mit allen gemacht, nur ich stand irgendwie daneben. Sogar Tom aus der 8b, den ich echt süß finde, hat nur Augen für sie und ihr Handy gehabt.

Warum immer sie? Wenn ich meine Eltern nach solchen Schuhen frage, bekomme ich nur einen Vortrag darüber, wie teuer alles ist und dass meine alten Turnschuhe doch noch super sind. Bei Lena heißt es anscheinend immer nur „Ja“. Es fühlt sich an, als würde sie alles bekommen, ohne sich anstrengen zu müssen, während ich um jede Kleinigkeit kämpfen muss. Dieses Gefühl in meinem Bauch ist so fies und brennt richtig. Ich weiß, ich sollte mich für sie freuen, aber es geht nicht. Ich will auch mal die sein, die so bewundert wird.

Deine Anna