Schmerz-, Angst- und Bewusstseinsmanagement in der Pflege
Zielsetzung: Das übergeordnete Lernziel ist die Befähigung zur professionellen Erfassung und zum Management von Schmerz, Angst und Bewusstsein in der Pflege. Die Lernenden sollen die Diskrepanz zwischen subjektivem Erleben des Patienten / der Patientin und objektiver pflegerischer Dokumentation überbrücken sowie eine empathische und fachlich fundierte Haltung im Umgang mit belastenden Patientensituationen (z. B. postoperativ) entwickeln.
Inhalte und Methoden: Das Arbeitsblatt nutzt einen Mix aus narrativen, forschenden und reflexiven Methoden:
- Fallanalyse (Narrative Pflege): Auswertung von Tagebucheinträgen („Ingos Tagebuch“), um die emotionalen und seelischen Auswirkungen von Schmerz und Hilflosigkeit zu verstehen
- Forschendes Lernen („Schmerz-Detektive“): Recherche zu Schmerzmessinstrumenten (NRS, VAS, BESD), Erstellung einer „Schmerz-Achterbahn“ (Verlaufskurve nach Hüft-TEP) und Auseinandersetzung mit dem Expertenstandard Schmerzmanagement
- Theoretische Vertiefung & Transfer: Erarbeitung von Kriterien für die Gesprächsführung mit ängstlichen Patient:innen sowie Erstellung eines Informationsblattes zu Anästhesierisiken
- Reflexion: Kritische Auseinandersetzung mit eigenen Vorurteilen bei der Schmerzbeurteilung und Diskussion über die „Dosis“ von Fachwissen im Patientengespräch (Angstlinderung vs. Angstverstärkung)
Kompetenzen:
- Fachkompetenz: Sicherer Umgang mit Instrumenten der Schmerzerfassung und Wissen über pharmakologische sowie nicht-medikamentöse Interventionen
- Methodenkompetenz: Dokumentation von Schmerzverläufen nach Expertenstandard und didaktische Aufbereitung komplexer Risiken für Patient:innen
- Sozialkompetenz: Durchführung einer gelungenen Gesprächsführung bei Angst und Schmerz unter Berücksichtigung der emotionalen Lage des Gegenübers
- Selbstkompetenz: Reflexion der eigenen professionellen Haltung, Erkennen von Interpretationsfehlern und Umgang mit den eigenen Grenzen („Schuldgefühle“ bei ausbleibender Wirkung)
Zielgruppe und Niveau:
Berufsschule
Hinweis: Zu der Bearbeitung mancher Aufgaben wird der Zugang zum Internet benötigt.
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Target group and level
Auszubildende im Pflegeberuf
Subjects
Schmerz-, Angst- und Bewusstseinsmanagement in der Pflege


Ingos Tagebuch
Arbeitsauftrag: Lesen Sie die Tagebucheinträge von Ingo aufmerksam durch. Erörtern Sie mit Ihrer Sitznachbarin / Ihrem Sitznachbarn: Welche emotionalen Auswirkungen hat der Schmerz auf Ingo? Überlegen Sie gemeinsam, wie Sie als Pflegefachkraft reagieren würden, wenn Ingo Ihnen diese Gedanken mündlich mitteilte. Besprechen Sie Ihre Ergebnisse anschließend im Plenum.
Eintrag vom 18.05. (Erster Tag nach der Rückkehr auf Station)
Die Nacht war lang und voller Unruhe. Immer wieder bin ich aufgewacht, weil der Schmerz wie eine Welle durch meinen Körper ging. Jedes Mal, wenn ich mich umdrehen wollte, hat es gestochen und gebrannt – als ob jemand mit Nadeln in meine Wunde piekst. Ich habe versucht, ruhig zu atmen, aber selbst das fühlt sich an, als ob der Schmerz dadurch nur größer wird. Es macht mich wütend und traurig zugleich. Wütend, weil ich keine Kontrolle mehr über meinen Körper habe, und traurig, weil ich mich so schwach fühle. Früher war ich immer aktiv, habe Sport gemacht und mich nie lange mit Krankheiten aufgehalten. Jetzt liege ich hier und weiß nicht, wie ich mit diesem Schmerz umgehen soll.
Heute Morgen kam eine Pflegefachkraft ins Zimmer und fragte mich, wie stark mein Schmerz auf einer Skala von eins bis zehn sei. Es fällt mir schwer, das in eine Zahl zu packen. Wie soll ich erklären, dass es nicht nur der körperliche Schmerz ist? Es ist, als ob jemand ein schweres Gewicht auf meine Brust legt, das mich runterzieht. Ich fühle mich einsam, obwohl Menschen um mich herum sind. Ich habe Angst, dass sie denken, ich übertreibe oder dass mein Schmerz nicht wichtig genug ist. Ich traue mich kaum zu sagen, wie schlecht es mir wirklich geht. Am liebsten würde ich laut schreien, aber ich bleibe still und sage nur: „Es tut ziemlich weh.“ Danach zieht sich die Pflegekraft zurück, und ich bleibe wieder allein mit meinen Gedanken. Ich frage mich, ob sie versteht, wie sehr mich dieser Zustand belastet – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Ich hoffe, dass der Schmerz irgendwann nachlässt und ich wieder zu mir selbst finde.
Eintrag vom 19.05. (Erster Versuch, aufzustehen)
Heute war der Tag, an dem ich das erste Mal wieder aufstehen sollte. Die Pflegekraft hat mich ermutigt und gesagt, dass es wichtig sei, sich langsam wieder zu bewegen. Schon beim Gedanken daran hat mein Herz schneller geschlagen. Als sie mir half, mich aufzurichten, durchzog ein stechender Schmerz meinen ganzen Körper. Meine Hände zitterten, und ich musste mich an der Bettkante festhalten, um nicht sofort wieder zurückzusinken. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, das gerade erst laufen lernt – hilflos und abhängig.
Während ich dort saß und versuchte, die Kontrolle zu behalten, merkte ich, wie mir die Tränen in die Augen stiegen. Es war mir peinlich, das zu zeigen, aber ich konnte es nicht zurückhalten. Die Pflegekraft blieb ruhig und nahm sich Zeit, mich zu beruhigen. Sie hat mir erklärt, dass diese Gefühle normal sind und dass viele Patienten Angst vor dem ersten Aufstehen haben. Sie hat mir zugehört, ohne mich zu drängen, und das hat mir etwas Mut gemacht. Trotzdem bleibt die Angst, dass der Schmerz nicht besser wird und ich nie wieder so sein werde wie früher. Ich frage mich, wie lange ich das noch durchhalten kann. Die Unsicherheit macht mich fertig. Ich hoffe, dass ich morgen einen kleinen Schritt weiterkomme und der Schmerz vielleicht etwas weniger wird.
Emotionale Auswirkungen
Wie würden Sie reagieren?
MUSTERLÖSUNG FÜR DIE LEHRKRAFT!!!
Emotionale Auswirkungen des Schmerzes auf Ingo
Ingos Tagebucheinträge zeigen deutlich, wie stark der Schmerz nicht nur körperlich, sondern auch emotional belastet. Ingo erlebt eine Vielzahl negativer Gefühle, die durch den Schmerz ausgelöst oder verstärkt werden:
- Er fühlt sich hilflos, weil er die Kontrolle über seinen Körper verloren hat.
- Wut entsteht darüber, dass er sich nicht mehr selbstbestimmt bewegen kann.
- Traurigkeit und Einsamkeit begleiten ihn, obwohl er von Menschen umgeben ist.
- Angst und Unsicherheit, wie es mit seiner Genesung weitergeht, sind ständig präsent.
- Scham und das Gefühl, seinen Schmerz nicht angemessen ausdrücken zu können, belasten ihn zusätzlich.
- Die Selbstzweifel wachsen, da Ingo Angst hat, nicht mehr „so zu sein wie früher“.
Der Schmerz wirkt sich also nicht nur auf den Körper, sondern auch massiv auf die Psyche aus. Gefühle wie Mutlosigkeit, Angst, Ohnmacht und Scham werden durch die dauerhafte Belastung verstärkt.
Reaktion als Pflegefachkraft auf Ingos Gedanken
Als Pflegefachkraft ist es wichtig, Ingos Schmerz und seine Gefühle ernst zu nehmen und ihm empathisch zu begegnen. Folgende Maßnahmen sind sinnvoll:
- Aktives Zuhören: Ingo Raum geben, über seine Gefühle und Ängste zu sprechen, ohne ihn zu unterbrechen oder zu bewerten.
- Verständnis signalisieren: Mit Worten und Gestik zeigen, dass seine Gefühle nachvollziehbar und in seiner Situation normal sind.
- Emotionale Unterstützung: Ingo ermutigen, auch schwierige Gefühle wie Angst oder Hilflosigkeit auszusprechen.
- Schmerz ganzheitlich erfassen: Nicht nur nach der Schmerzstärke auf einer Skala fragen, sondern auch nach der emotionalen Belastung.
- Sicherheit vermitteln: Erklären, dass viele Patient:innen ähnliche Gefühle haben und dass ein Heilungsprozess Zeit braucht.
- Selbstwirksamkeit stärken: Kleine Fortschritte loben, gemeinsam realistische Ziele setzen und Hoffnung vermitteln.
- Präsenz zeigen: Nicht einfach den Raum verlassen, sondern signalisieren, dass man für Ingo da ist und ihn begleitet.
Das Werkzeug finden – Tabelle
| Herausforderung | Werkzeug/Maßnahme der Pflegefachkraft | Ziel |
|---|---|---|
| Hilflosigkeit und Kontrollverlust | Partizipation, kleine Entscheidungen ermöglichen | Selbstbestimmung und Kontrolle stärken |
| Traurigkeit und Einsamkeit | Gesprächsangebote, emotionale Nähe | Gefühl der Verbundenheit schaffen |
| Angst und Unsicherheit | Aufklärung, realistische Perspektiven geben | Sicherheit und Orientierung vermitteln |
| Scham und Zurückhaltung | Wertschätzende Kommunikation, kein Druck | Offenheit und Vertrauen fördern |
| Überforderung mit Schmerzskala | Offene Fragen stellen, ganzheitliche Einschätzung | Ganzheitliche Schmerzbehandlung |
Zusammenfassung
Die Einträge zeigen, dass Schmerz ein vielschichtiges Problem ist, das nicht nur den Körper, sondern auch die Seele betrifft. Als Pflegefachkraft ist es wichtig, Ingo mit Empathie, Geduld und Offenheit zu begegnen. Durch aktives Zuhören, emotionale Unterstützung und die Förderung von Selbstwirksamkeit kann Ingo auf seinem Weg zur Besserung begleitet werden. Die Pflegefachkraft trägt dazu bei, dass Ingo sich verstanden und unterstützt fühlt – sowohl körperlich als auch seelisch.

Recherche-Mission „Schmerz-Detektive“
Arbeitsauftrag: Bilden Sie 3er-4er-Gruppen. Begeben Sie sich gemeinsam auf eine Entdeckungstour durch das Internet. Ihre Mission ist es, den „Code der Schmerzmessung“ zu knacken:
- Das Werkzeug finden: Recherchieren Sie, was sich hinter den Abkürzungen NRS, VAS und BESD verbirgt. Wann benutzt man welches „Werkzeug“ (z. B. bei Ingo vs. bei einer Person mit Demenz)? Schreiben Sie Ihre Ergebnisse in die vorgegebene Tabelle.
- Die Kurve zeichnen: Suchen Sie nach Informationen zum typischen Schmerzverlauf nach einer Hüft-Operation (Hüft-TEP). Zeichnen Sie auf dem vorgegebenen Zeichenfeld eine „Schmerz-Achterbahn“ für Ingos erste 24 Stunden. Markieren Sie die Zeitpunkte, an denen der Schmerz am höchsten sein könnte.
- Das Gesetz der Profis: Finden Sie online den „Expertenstandard Schmerzmanagement bei akuten Schmerzen“. Suchen Sie das Kapitel zur Dokumentation. Warum sagen die Expert:innen, dass „Gefühl allein nicht reicht“? Notieren Sie ein Zitat, das die Notwendigkeit der Dokumentation für die Evaluation begründet.
Tragen Sie Ihre Ergebnisse aus der Recherche hier ein.
Zeichnen Sie hier die Kurve.
Zitat
MUSTERLÖSUNG FÜR DIE LEHRKRAFT!!!
Werkzeugkasten der Schmerzmessung: NRS, VAS und BESD
Numerische Ratingskala (NRS)
Die Numerische Ratingskala (NRS) ist eine Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (maximal vorstellbarer Schmerz). Die betroffene Person ordnet ihren Schmerz einer Zahl auf dieser Skala zu. Die NRS ist sehr einfach zu bedienen und eignet sich besonders für wache, orientierte Menschen, die in der Lage sind, ihren Schmerz verbal oder gedanklich zu bewerten.
Einsatzbereich: Bei kommunikationsfähigen Personen wie Ingo, die ihren Schmerz einschätzen und benennen können.
Visuelle Analogskala (VAS)
Die Visuelle Analogskala (VAS) besteht aus einer 10 cm langen Linie mit den Endpunkten „kein Schmerz“ und „stärkster vorstellbarer Schmerz“. Die betroffene Person markiert auf der Linie den Punkt, der ihrer Schmerzintensität entspricht. Die VAS wird häufig als Schiebelineal genutzt.
Einsatzbereich: Ebenfalls bei kommunikationsfähigen Personen, die Schwierigkeiten mit Zahlen haben, aber ihre Schmerzstärke visuell einschätzen können.
BESD (Beurteilungsskala für Schmerzen bei Demenz)
Bei Personen, die sich nicht mehr klar äußern können – wie Menschen mit Demenz – werden spezielle Beobachtungsinstrumente genutzt, z. B. die BESD. Hierbei werden Schmerzäußerungen anhand von Verhaltensbeobachtungen (z. B. Gesichtsausdruck, Körpersprache, Lautäußerungen) eingeschätzt.
Einsatzbereich: Bei Menschen mit Demenz oder anderen kognitiven Einschränkungen, die sich verbal nicht mehr adäquat äußern können.
Die Schmerz-Achterbahn: Typischer Schmerzverlauf nach Hüft-TEP
Nach einer Hüft-TEP ist der Schmerz direkt nach der Operation (im Aufwachraum) am stärksten. In den ersten Stunden nach der OP nimmt der Schmerz meist etwas ab, erreicht jedoch beim ersten Mobilisieren (z. B. am Morgen des ersten postoperativen Tags) häufig erneut einen Höhepunkt. Im Verlauf der ersten 24 Stunden kommt es nach der Mobilisation oft zu einem weiteren Schmerzanstieg, bevor die Beschwerden durch regelmäßige Schmerzmedikation und Ruhigstellung langsam abnehmen.
Schmerz-Achterbahn für Ingos erste 24 Stunden:
- 0–2 Stunden nach OP: Stärkster Schmerz (Schmerzspitze im Aufwachraum)
- 2–8 Stunden: Abnehmender Schmerz, bei Ruhe und ausreichender Schmerztherapie
- 8–12 Stunden: Zweite Schmerzspitze beim ersten Aufstehen/Mobilisieren
- 12–24 Stunden: Allmähliche Abnahme der Schmerzen, mit möglichen kleineren Anstiegen bei Bewegung oder Lagerungswechseln
Gesetz der Profis: Dokumentation im Schmerzmanagement
Der Expertenstandard „Schmerzmanagement bei akuten Schmerzen“ betont die Bedeutung der lückenlosen und zeitnahen Dokumentation der Schmerzen und der ergriffenen Maßnahmen, um eine zielgerichtete Therapie und Evaluation zu ermöglichen.
Warum reicht das Gefühl allein nicht aus?
Eine rein subjektive Einschätzung von Schmerzen durch Pflegefachpersonen ist nicht ausreichend, da Schmerz ein individuelles Erleben ist und von außen nicht zuverlässig beurteilt werden kann. Die Dokumentation dient nicht nur der Verlaufskontrolle, sondern auch der rechtlichen Absicherung und der Qualitätssicherung.
Zitat zur Notwendigkeit der Dokumentation für die Evaluation:
„Die ermittelten Werte müssen zeitnah und lückenlos dokumentiert werden. Die Skalenwerte werden in die Akte des:der Betroffenen eingetragen und der/die behandelnde Arzt/Ärztin regelmäßig – und bei Schmerzspitzen sofort – über den Verlauf der Schmerzintensität informiert.“
Zusammenfassung: Musterlösungstabelle
Werkzeug Bedeutung Einsatzbereich NRS Numerische Ratingskala Kommunikative, orientierte Personen VAS Visuelle Analogskala Kommunikative Personen, Schwierigkeiten mit Zahlen BESD Beobachtungsskala für Schmerzen bei Demenz Menschen mit Demenz, nicht sprechfähige Personen Evaluation und Dokumentation
Eine systematische, regelmäßige und nachvollziehbare Schmerzdokumentation ist Grundlage für eine erfolgreiche Schmerztherapie und deren Überprüfung. Sie dient der Patient:innensicherheit, der Therapiekontrolle und der Qualitätssicherung im pflegerischen Alltag.
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Reflexion der professionellen Haltung
Arbeitsauftrag: Diskutieren Sie in der Kleingruppe: Warum fällt es uns manchmal schwer, die Schmerzäußerungen von Patient:innen objektiv zu beurteilen? Identifizieren Sie drei Gründe für Fehlinterpretationen (z. B. eigene Vorurteile, Fokus auf Vitalparameter) und formulieren Sie aktive Handlungsmöglichkeiten, wie Sie diesen Interpretationen entgegenwirken können.
Angstmanagement und Anästhesieverfahren
Arbeitsauftrag: Erstellen Sie eine Mindmap von Synonymen für Angst (z. B. Bammel, Beklemmung, Sorge). Reflektieren Sie Ihre eigenen Gefühle bei medizinischen Eingriffen. Dies dient als Basis, um theoretische Erklärungsansätze zur Angstentstehung (Medical Fear) aus der Psychologie und Pflegeforschung kennenzulernen.
Sammlung von Synonymen
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Interventionen und Gesprächsführung
Arbeitsauftrag: Aufbauend auf der Angstforschung entwickeln Sie nun Kriterien für eine gelungene Gesprächsführung mit ängstlichen Patient:innen. Sammeln Sie medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Angst- und Schmerzreduktion und bereiten Sie Informationen für Patient:innen und Angehörige didaktisch auf.
Kriterien
MUSTERLÖSUNG FÜR DIE LEHRKRAFT!!!
Musterlösung: Kriterien für eine gelungene Gesprächsführung mit ängstlichen Patient:innen sowie Maßnahmen zur Angst- und Schmerzreduktion
I. Kriterien für eine gelungene Gesprächsführung mit ängstlichen Patient:innen
Ernstnehmen der Ängste:
- Ängste und Sorgen der Patient:innen werden wertschätzend und ohne Verharmlosung oder Beschwichtigung aufgenommen.
- Gesten und Worte menschlicher Zuwendung schaffen Vertrauen.
Aktives Zuhören:
- Blickkontakt, abwartendes Schweigen und echtes Interesse an den belastenden Gedanken zeigen.
- Mit wenigen, unterstützenden Worten das Gesagte unterstreichen.
Empathie und individuelle Gesprächsführung:
- Bewusstsein, dass jeder Mensch in seiner eigenen Welt lebt, wahrnimmt und wertet.
- Verantwortung für Sprache und Äußerungen übernehmen.
- Eigene Gefühle und Empfindungen im Gespräch reflektieren.
Zeit und Rahmen schaffen:
- Einen passenden Gesprächszeitpunkt wählen und einen klaren Zeitrahmen nennen.
- Am Ende das Gespräch gemeinsam abschließen und verbleibende Fragen klären.
Ressourcenorientierung:
- Patient:innen darin unterstützen, persönliche Ressourcen (z. B. Familie, Glaube, Humor) zu erkennen und zu nutzen.
Selbstreflexion der Pflegefachperson:
- Eigene Denk- und Sprachmuster reflektieren und sich des eigenen Wachstumspotenzials bewusst werden.
II. Medikamentöse Maßnahmen zur Angst- und Schmerzreduktion
Analgetika (Schmerzmittel):
- Nichtopioide: z. B. Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac, Metamizol
- Opioide: z. B. Tramadol, Morphin, Fentanyl
- Koanalgetika: z. B. Antidepressiva, Antikonvulsiva, Glukokortikoide
- Lokalanästhetika: z. B. bei Regionalanästhesie
Beruhigungsmittel (bei starker Angst):
- Benzodiazepine (z. B. Midazolam) – nur nach ärztlicher Anordnung und unter Beachtung der Nebenwirkungen
Anwendung nach dem WHO-Stufenschema und individuellen Bedürfnissen der Patient:innen
III. Nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Angst- und Schmerzreduktion
Gesprächsführung und emotionale Begleitung (siehe oben)
Entspannungsverfahren:
- Atemübungen, Meditation, Achtsamkeitstraining, progressive Muskelentspannung, Yoga
Ablenkung und positive Suggestion:
- Musik, angenehme Gespräche, kreative Tätigkeiten, Fantasiereisen
Körperliche Zuwendung:
- Massage, Aromatherapie, Kängurupflege (bei Säuglingen), Einbezug von Bezugspersonen
Bewegung und Aktivierung:
- Sport und Bewegungstherapien nach Möglichkeit
Umgebungsanpassung:
- Ruhige, sichere Umgebung schaffen, vertraute Gegenstände bereitstellen
Information und Aufklärung:
- Transparente Information über Abläufe, Eingriffe und Maßnahmen reduziert Unsicherheiten und Ängste
IV. Didaktische Aufbereitung von Informationen für Patient:innen und Angehörige
- Klare, einfache Sprache verwenden, Fachbegriffe erklären
- Informationen in kleine Einheiten gliedern, Wichtiges hervorheben
- Schriftliche Materialien zur Verfügung stellen (z. B. Broschüren, Merkblätter)
- Wiederholungen und Nachfragen ermöglichen, Verständnis sichern
- Visualisierungen einsetzen (z. B. Schaubilder, Piktogramme)
- Bezugspersonen einbeziehen und zu eigenen Fragen ermutigen
- Im Gespräch auf individuelle Bedürfnisse und Ängste eingehen
- Motivation zur aktiven Mitarbeit fördern (z. B. Führen eines Schmerztagebuchs)
V. Zusammenfassung
Eine gelungene Gesprächsführung mit ängstlichen Patient:innen basiert auf Empathie, aktiver Zuwendung und professioneller Kommunikation. Angst- und Schmerzreduktion sollte immer multimodal erfolgen, wobei medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen kombiniert werden. Die didaktische Aufbereitung der Informationen für Patient:innen und Angehörige hilft, Unsicherheiten abzubauen und die aktive Mitwirkung am Behandlungsprozess zu fördern.
Arbeitsauftrag : Erarbeiten Sie in Ihrer Arbeitsgruppe ein strukturiertes Informationsblatt zu dem Verfahren: Allgemeinanästhesie.
Beschreiben Sie dabei die Wirkungsweise: Wie beeinflusst die Allgemeinanästhesie das Nervensystem und das Bewusstsein? Gehen Sie außerdem auf mögliche Ängste der Patientinnen und Patienten im Zusammenhang mit diesem Verfahren ein.
Hilfestellung: Recherchieren und strukturieren Sie Informationen zu den Wirkmechanismen der Allgemeinanästhesie und deren Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem sowie das Bewusstsein. Überlegen Sie, welche typischen Ängste vor diesem Eingriff bestehen und wie Pflegefachpersonen darauf eingehen können.
Allgemeinanästhesie 🩺
1. Verfahren und Wirkung 🧠
Beschreibe das Verfahren der Allgemeinanästhesie.
Wie beeinflusst die Allgemeinanästhesie das Nervensystem und das Bewusstsein?
Arbeitsauftrag: Reflektieren Sie kritisch auf Basis Ihrer Rechercheergebnisse aus der vorherigen Aufgabe: Inwiefern kann das rein fachliche Wissen über Risiken und Nebenwirkungen die Angst einer Patientin oder eines Patienten sowohl lindern als auch massiv verstärken? Diskutieren Sie, wie Sie in der Praxis entscheiden, welche Fakten Sie mitteilen und welche Informationen Sie zum Schutz des Patienten / der Patientin sensibel dosieren.
Hier finden Sie Platz für Ihre Überlegungen.
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Reflexion im Plenum
Reflexion im Plenum - Die eigenen Grenzen spüren: Tauschen Sie sich über Ihre eigenen Gefühle im Umgang mit ängstlichen Patient:innen aus, denen Sie trotz Ihres fundierten Wissens die Angst nicht nehmen können. Wie gehen Sie damit um, wenn Sie sich „schuldig“ fühlen, weil eine Intervention nicht wie gewünscht wirkt? Ermitteln Sie Möglichkeiten, wie Sie solchen Gewissensbissen durch kollegialen Austausch oder Selbstreflexion entgegenwirken können.