Kommunikation - Die 5 Axiome nach Paul Watzlawick
Zielsetzung: Das übergeordnete Lernziel ist die Vermittlung der 5 Axiome nach Paul Watzlawick als fundamentales Werkzeug zur Analyse und Gestaltung gelingender Kommunikation. Die Lernenden sollen befähigt werden, die Mechanismen zwischenmenschlicher Interaktion (Inhalt vs. Beziehung, nonverbale Signale, Machtgefüge) zu verstehen, um Missverständnisse in beruflichen Kontexten – insbesondere in der Pädagogik und Ausbildung – frühzeitig zu erkennen und professionell zu deeskalieren.
Inhalte und Methoden: Das Arbeitsblatt vermittelt die fünf Axiome durch eine theoretische Einführung mit Multiple-Choice-Fragen und vertieft diese mittels praxisnaher Szenarien. Die Lernenden analysieren Inhalts- und Beziehungsaspekte, visualisieren kommunikative Teufelskreise in Diagrammen und untersuchen die analoge sowie digitale Modalität. Zudem werden symmetrische und komplementäre Strukturen differenziert. Den Abschluss bildet eine komplexe Fallstudie, die eine deeskalierende Transferleistung und eine gemeinsame Reflexion fordert.
Kompetenzen:
- Kommunikationskompetenz: Aktive Anwendung der Axiome zur Steuerung professioneller Gesprächsverläufe und zur Vermeidung von Blockaden
- Analytische Kompetenz: Dekonstruktion komplexer Kommunikationsstörungen und grafische Darstellung von Interaktionsschleifen (Interpunktion)
- Sozial-empathische Kompetenz: Sensibilisierung für die Wirkung nonverbaler Signale und die Bedeutung wertschätzender Beziehungsgestaltung.
- Reflexionskompetenz: Kritische Überprüfung der eigenen professionellen Rolle und Haltung in Hierarchien und Teams
Zielgruppe und Niveau:
Auszubildene im sozialpädagogischen Bereich
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Target group and level
Auszubildende im sozialpädagogischen Bereich
Subjects
Kommunikation - Die 5 Axiome nach Paul Watzlawick

Wer war Paul Watzlawick?
Paul Watzlawick (1921–2007) war ein österreichisch-amerikanischer Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler. Er vertrat die Ansicht, dass Kommunikation ein kreisförmiger Prozess ist. Seine "5 Axiome" beschreiben Regeln, die immer zutreffen, wenn Menschen miteinander interagieren – egal ob sie wollen oder nicht.
📝 Arbeitsauftrag: Lesen Sie den folgenden Text aufmerksam.
Die 5 Axiome nach Paul Watzlawick
Einleitung
Die 5 Axiome nach Paul Watzlawick beschreiben grundlegende Regeln der zwischenmenschlichen Kommunikation. Sie helfen zu verstehen, warum Gespräche gelingen – aber auch, warum es zu Missverständnissen und Konflikten kommt. Für Auszubildende sind diese Axiome besonders wichtig, um im Team, mit Kund:innen, Kolleg:innen und Vorgesetzten klar und respektvoll zu kommunizieren.
1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren.
- Sobald sich Menschen wahrnehmen, kommunizieren sie miteinander – auch ohne Worte.
- Jede Handlung sendet eine Botschaft: Blickkontakt, Körperhaltung, Schweigen, Seufzen.
- Auch Nicht-Reagieren ist eine Form von Kommunikation.
Beispiel:
Ein:e Auszubildende:r sitzt in der Pause mit verschränkten Armen und schaut auf den Boden. Obwohl nichts gesagt wird, wirkt die Person vielleicht genervt oder abweisend. Die Kolleg:innen nehmen diese Botschaft wahr – es findet also Kommunikation statt.
2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.
Bei jeder Nachricht gibt es:
- den Inhalt: Was wird gesagt? (Sachinformation)
- den Beziehungsaspekt: Wie ist die Beziehung zwischen den Gesprächspartner:innen? Wie ist die Stimmung?
Der Beziehungsaspekt beeinflusst, wie der Inhalt verstanden wird.
Beispiel:
Die gleiche Aussage „Kannst du bitte schneller arbeiten?“
- freundlich, ruhig und lächelnd gesagt: eher als Unterstützung oder Hinweis gemeint
- genervt, laut und mit Augenrollen: leicht als Kritik oder Angriff zu verstehen
Wer sich seiner Beziehungsebene bewusst ist und darüber spricht (Metakommunikation), kann Konflikte vermeiden, z. B.: „Ich möchte dich nicht kritisieren, mir geht es nur darum, dass wir die Frist einhalten.“
3. Axiom: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung (Interpunktion der Kommunikationsabläufe).
In einem Gespräch reagieren Kommunikationspartner:innen ständig aufeinander. Jede:r sieht das eigene Verhalten oft als Reaktion auf die andere Person – und nicht als Auslöser. Dadurch entstehen leicht Streit und Schuldzuweisungen.
Beispiel:
- Person A spricht kurz angebunden, weil sie sich von Person B ignoriert fühlt.
- Person B zieht sich zurück, weil A so kurz angebunden ist.
Beide sehen sich als Opfer und die andere Person als Ursache. Wenn niemand diesen Kreislauf hinterfragt, verhärtet sich der Konflikt.
4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten.
Watzlawick unterscheidet zwei Arten von Kommunikation:
- digitale Kommunikation: das gesprochene oder geschriebene Wort (Sprache)
- analoge Kommunikation: Körpersprache, Mimik, Gestik, Tonfall, Abstand, Lautstärke
Worte (digital) sind relativ eindeutig, aber die analoge Ebene kann sie verstärken, abschwächen oder sogar widersprechen.
Beispiel:
Ein:e Ausbilder:in sagt „Alles gut“ (digital), rollt aber mit den Augen und seufzt (analog). Die analoge Botschaft wirkt stärker – Auszubildende merken: Es ist eben nicht „alles gut“.
Für eine klare Kommunikation sollten Wortwahl und Körpersprache möglichst zusammenpassen.
5. Axiom: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär
Beziehungen zwischen Menschen können unterschiedlich aufgebaut sein:
- symmetrisch: Die Gesprächspartner:innen sind gleichgestellt, z. B. zwei Auszubildende im gleichen Lehrjahr. Ziel ist häufig Gleichheit und Harmonie.
- komplementär: Die Rollen sind unterschiedlich, ergänzen sich aber, z. B. Ausbilder:in und Auszubildende:r, Vorgesetzte:r und Mitarbeiter:in. Eine Person hat mehr Verantwortung oder Macht.
Probleme entstehen, wenn:
- in einer symmetrischen Beziehung ein „Machtkampf“ entsteht („Ich habe genauso viel zu sagen wie du!“).
- in einer komplementären Beziehung eine Seite die andere dominiert oder kleinmacht.
Beispiel:
Ein:e Ausbilder:in entscheidet, erklärt und gibt Feedback (komplementäre Rolle). Wenn diese Person aber ständig herablassend spricht, kann das Verhältnis ungesund werden. Ein respektvoller Umgang hilft, die unterschiedlichen Rollen konstruktiv zu nutzen.
Bedeutung für den Ausbildungsalltag
Die 5 Axiome zeigen, dass Kommunikation mehr ist als Worte. Für Auszubildende heißt das insbesondere:
- auf Körpersprache, Tonfall und Stimmung achten
- Missverständnisse früh ansprechen („So habe ich das nicht gemeint …“)
- sich der eigenen Rolle bewusst sein (z. B. Auszubildende:r, Kolleg:in, Kund:in)
- Feedback wertschätzend geben und annehmen
Wer die Axiome kennt und im Alltag berücksichtigt, kann Konflikte besser verstehen, respektvoller miteinander umgehen und professioneller kommunizieren.
📝 Kreuzen Sie die korrekte Antwort an.
📝 Arbeitsauftrag: Das Schweigen im Fahrstuhl (Axiom 1)
Axiom 1: Man kann nicht nicht kommunizieren.
Situation: Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit einer fremden Person im Fahrstuhl. Sie schauen beide starr auf die Etagenanzeige und sagen kein Wort.
- Erörtern Sie kurz, warum Sie laut Watzlawick in diesem Moment trotzdem kommunizieren.
- Welche Botschaften senden Sie durch Ihr Verhalten (Körperhaltung, Blick, Distanz)?
- Übertragen Sie dies auf die Praxis: Ein Kind sitzt in der Ecke der Kita und reagiert nicht auf Ihre Ansprache. Was "sagt" das Kind?
✒️ 1.
✒️ 2.
✒️ 3.
Inhalt und Beziehung
Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. Der Inhaltsaspekt vermittelt die Daten (Was wird gesagt?), der Beziehungsaspekt zeigt, wie der Sender / die Senderin die Nachricht verstanden wissen möchte und wie er/sie zum Empfänger / zur Empfängerin steht (Wie wird es gesagt?). In der Pädagogik ist die Beziehung oft wichtiger als der reine Inhalt.
📝 Arbeitsauftrag: Der Ton macht die Musik
Axiom 2: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.
Satz: "Es ist schon 9:00 Uhr." Stellen Sie diesen Satz in drei verschiedenen pädagogischen Rollen dar und beschreiben Sie, was auf der Beziehungsebene mitschwingt:
- a) Eine Erzieherin sagt es freundlich lächelnd zu einem Kind, das gerade ankommt.
- b) Ein Teamkollege sagt es genervt zu Ihnen, weil Sie zu spät zur Teamsitzung kommen.
- c) Eine Mutter sagt es besorgt zu ihrem Kind beim Abschied.
✒️ a)
✒️ b)
✒️ c)
📝 Arbeitsauftrag: Der Teufelskreis der Ursachen
Axiom 3: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung (Interpunktion).
In Konflikten sagen oft beide Seiten: "Ich reagiere nur so, weil du angefangen hast."
- Analysieren Sie das folgende Beispiel: Die Praktikantin zieht sich immer mehr zurück, weil die Anleiterin ständig kritisiert. Die Anleiterin kritisiert immer mehr, weil die Praktikantin so wenig Eigeninitiative zeigt.
- Zeichnen Sie diesen "Teufelskreis" als Diagramm auf.
- Wie könnte man diesen Kreislauf in einem professionellen Gespräch durchbrechen?
✒️ 1.
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✒️ 3.
Worte vs. Körpersprache
Watzlawick unterscheidet zwischen digitaler Kommunikation (Wörter, Symbole, Eindeutigkeit) und analoger Kommunikation (Mimik, Gestik, Tonfall, Kontext). Während wir mit Worten Wissen weitergeben, nutzen wir die analoge Ebene für den Beziehungsaufbau.
📝 Arbeitsauftrag: Wenn Worte und Körper lügen
Axiom 4: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten.
- Was passiert, wenn eine pädagogische Fachkraft mit verschränkten Armen und finsterem Blick zu einem Kind sagt: "Komm her, ich hab dich lieb, du kannst mir vertrauen"?
- Definieren Sie den Begriff "inkongruente Kommunikation" anhand dieses Beispiels.
- Warum ist die analoge Kommunikation (Körpersprache) für die Arbeit mit Kleinkindern oder Menschen mit Behinderung oft wichtiger als die digitale?
✒️ 1.
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✒️ 3.
Auf Augenhöhe oder in der Hierarchie?
Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch (gleichrangig, man bemüht sich um Gleichheit) oder komplementär (ergänzend, es gibt eine Über- und Unterordnung, z. B. Lehrer-Schüler).
📝 Arbeitsauftrag: Symmetrie vs. Komplementarität
Axiom 5: Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär.
Ordnen Sie folgende Gespräche ein (symmetrisch oder komplementär):
- Zwei Erzieher:innen planen das Sommerfest.
- Eine Leitung führt ein Abmahnungsgespräch mit einem Mitarbeiter.
- Ein Kind bittet den Erzieher um Hilfe beim Schuhebinden.
Reflexionsaufgabe: In der Sozialpädagogik streben wir oft "Partizipation" und "Augenhöhe" an. Kann ein Gespräch zwischen Erzieher:in und Kind jemals vollkommen symmetrisch sein? Begründen Sie Ihre Meinung.
| symmetrisch | komplementär |
|---|---|
✒️ Reflexion
📝 Arbeitsauftrag:
- Wenden Sie mindestens drei Axiome an, um die folgende Situation zu analysieren.
- Erklären Sie, an welcher Stelle die Kommunikation "gestört" ist oder missverstanden wird.
- Entwerfen Sie eine professionelle Reaktion oder Antwort der Fachkraft, die deeskalierend wirkt oder das Missverständnis klärt (beachten Sie besonders die Axiome 2, 4 oder 5).
Fallbeispiel: Fehlende Matschhose
Ein Vater kommt aufgebracht in die Kita, weil die Matschhose seines Kindes fehlt. Er schimpft lautstark vor den anderen Eltern im Flur.
✒️ Hier finden Sie Platz für Ihre Ausarbeitung.
Gemeinsame Besprechung: Auswertung und Reflexion
Nutzen Sie die folgenden Fragen für eine Reflexion im Plenum.
- Welches Axiom war bei der Analyse der Beispiele am hilfreichsten?
- Warum entstehen in der pädagogischen Arbeit so oft Missverständnisse auf der Beziehungsebene?
- Wie hilft Ihnen dieses neue Wissen in Ihrem nächsten Praktikum oder im Berufsalltag?
- Welche Rolle spielt Ihre eigene innere Haltung bei der Vermeidung von Konflikten?
Zusammenfassung: Erfolgreiche Kommunikation braucht ein Bewusstsein für die Beziehungsebene. Achten Sie in Ihrem Alltag verstärkt auf die Signale ohne Worte.
✒️ Hier finden Sie ggf. Platz für Notizen.
Musterlösung: Das Schweigen im Fahrstuhl (Axiom 1)
1. Die Fahrstuhlsituation
Erörterung der Kommunikation (Axiom 1)
- Gemäß dem 1. Axiom von Paul Watzlawick ("Man kann nicht nicht kommunizieren") ist jedes Verhalten in Anwesenheit einer anderen Person eine Mitteilung.
- Auch Schweigen, das Vermeiden von Blickkontakt oder das bewusste Ignorieren sind Verhaltensweisen und haben somit Mitteilungscharakter.
- Die beiden Personen im Fahrstuhl können sich dem gegenseitigen Einfluss nicht entziehen; sie verhalten sich zueinander, auch wenn sie nicht verbal interagieren.
Gesendete Botschaften (Nonverbale Kommunikation)
- Körperhaltung: Eine steife, eventuell leicht abgewandte Haltung signalisiert den Wunsch nach Distanz und vermeidet eine persönliche Kontaktaufnahme.
- Blick: Das starre Schauen auf die Etagenanzeige ist eine aktive Handlung, um Blickkontakt zu vermeiden. Die Botschaft lautet: "Ich möchte kein Gespräch beginnen."
- Distanz: Das Einhalten eines größtmöglichen räumlichen Abstands ist eine nonverbale Regelung der Beziehung. Es signalisiert Respekt vor der Privatsphäre der anderen Person und den Wunsch, die eigene zu wahren.
- Beziehungsebene (Axiom 2): Durch dieses Verhalten wird die Beziehungsebene klar definiert: "Wir sind uns fremd und bleiben unverbindlich." Der Inhaltsaspekt der Kommunikation ist leer, aber der Beziehungsaspekt ist sehr aussagekräftig.
2. Praxisbeispiel: Das Kind in der Kita
- Die "Aussage" des Kindes (Übertragung von Axiom 1)
- Nach Axiom 1 kommuniziert das Kind ununterbrochen durch sein Verhalten, auch wenn es nicht auf die Ansprache der Erzieher:innen reagiert. Sein Schweigen und sein Rückzug sind eine starke Botschaft.
- Das Verhalten des Kindes ist eine Form der analogen Kommunikation (Axiom 4), die oft mehrdeutig ist und im Kontext interpretiert werden muss. Mögliche Botschaften könnten sein:
- Protest oder Wut: "Lass mich in Ruhe, ich bin wütend."
- Überforderung oder Angst: "Alles ist mir gerade zu viel, ich brauche einen sicheren Rückzugsort."
- Traurigkeit oder Enttäuschung: "Ich bin traurig und möchte für mich sein."
- Ablehnung der Interaktion: Auf der Beziehungsebene (Axiom 2) signalisiert das Kind: "Ich lehne dein Kontaktangebot im Moment ab."
- Die Interpretation der pädagogischen Fachkraft ist eine Interpunktion des Kommunikationsablaufs (Axiom 3). Um das Verhalten des Kindes zu verstehen, muss die Fachkraft den Kontext (z. B. einen vorangegangenen Streit) berücksichtigen.
Musterlösung: Der Ton macht die Musik
Analyse des Satzes "Es ist schon 9:00 Uhr" unter Berücksichtigung des 2. Axioms von Paul Watzlawick ("Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt").
Grundsätzliche Ebenen der Kommunikation:
- Inhaltsebene (digital): Die reine Sachinformation. In allen drei Fällen lautet diese: "Die gegenwärtige Uhrzeit ist 9:00 Uhr."
- Beziehungsebene (analog): Die Art und Weise, wie etwas gesagt wird (Tonfall, Mimik, Gestik), die definiert, wie die Beziehung zwischen den Kommunikationspartner:innen gesehen wird.
a) Eine Erzieherin sagt es freundlich lächelnd zu einem Kind, das gerade ankommt.
- Inhaltsebene:
- Die Uhrzeit ist 9:00 Uhr.
- Beziehungsebene (Was mitschwingt):
- Botschaft: "Ich sehe dich und freue mich, dass du da bist."
- Beziehungsdefinition: Die Beziehung wird als herzlich, wohlwollend und sicher definiert. Es wird kein Druck oder Vorwurf vermittelt.
- Appell: "Komm herein, der Tag beginnt jetzt gemeinsam."
- Bezug zu den Axiomen:
- Axiom 2 (Inhalts- & Beziehungsaspekt): Der positive Beziehungsaspekt (Lächeln, freundlicher Ton) dominiert und rahmt den Inhaltsaspekt positiv ein. Die Zeitangabe wird zu einer freundlichen Begrüßung.
- Axiom 4 (digitale & analoge Kommunikation): Die digitale Information (9:00 Uhr) wird durch die analoge Kommunikation (Lächeln) eindeutig als freundlich und einladend qualifiziert.
- Axiom 5 (Symmetrische & komplementäre Interaktion): Die Interaktion ist klar komplementär und basiert auf der unterschiedlichen Rolle (Erzieherin und Kind).
b) Ein Teamkollege sagt es genervt zu Ihnen, weil Sie zu spät zur Teamsitzung kommen.
- Inhaltsebene:
- Die Uhrzeit ist 9:00 Uhr.
- Beziehungsebene (Was mitschwingt):
- Botschaft: "Du bist unpünktlich und ich bin verärgert darüber."
- Beziehungsdefinition: Die Beziehung wird als gestört oder konfliktbehaftet dargestellt. Es schwingt ein Vorwurf und Kritik an deinem Verhalten mit.
- Appell: "Sei gefälligst pünktlich, dein Verhalten ist respektlos und stört."
- Bezug zu den Axiomen:
- Axiom 2 (Inhalts- & Beziehungsaspekt): Der Inhaltsaspekt ist nur der Anlass, um eine negative Beziehungsbotschaft (Ärger, Vorwurf) zu senden. Die Beziehungsebene ist hier der eigentliche Kern der Nachricht.
- Axiom 3 (Interpunktion der Ereignisfolge): Der Kollege setzt den Anfangspunkt (Ursache) bei Ihrem Zuspätkommen. Sie könnten die Kommunikation anders interpunktieren (z. B. "Er/sie ist immer so überempfindlich").
- Axiom 5 (symmetrische & komplementäre Interaktion): Eine eigentlich symmetrische Beziehung (auf Augenhöhe unter Kolleg:innen) wird durch den Vorwurf versucht, in eine komplementäre zu verschieben ("Ich bin im Recht und weise dich zurecht").
c) Eine Mutter sagt es besorgt zu ihrem Kind beim Abschied.
- Inhaltsebene:
- Die Uhrzeit ist 9:00 Uhr.
- Beziehungsebene (Was mitschwingt):
- Botschaft: "Ich mache mir Sorgen, dass du jetzt zu spät kommst und das negative Folgen für dich haben könnte."
- Beziehungsdefinition: Die Beziehung ist von Fürsorge und Verantwortungsgefühl geprägt.
- Appell: "Bitte beeil dich jetzt, damit alles gut geht."
- Bezug zu den Axiomen:
- Axiom 1 (Man kann nicht nicht kommunizieren): Selbst wenn die Mutter nichts sagen würde, würde ihre besorgte Mimik die gleiche Botschaft senden.
- Axiom 2 (Inhalts- & Beziehungsaspekt): Die Beziehungsebene (Sorge) gibt dem reinen Inhalt (Zeit) eine emotionale und dringliche Bedeutung.
- Axiom 5 (symmetrische & komplementäre Interaktion): Die Interaktion ist klassisch komplementär und spiegelt die Eltern-Kind-Beziehung wider (die fürsorgliche Mutter, das Kind, das auf den Weg gebracht wird).
Musterlösung
1. Analyse des Beispiels
- Grundproblem nach Axiom 3 (Interpunktion): Beide Kommunikationspartnerinnen interpretieren den Austausch als eine lineare Kette von Ursache und Wirkung, setzen den Anfangspunkt (Interpunktion) aber unterschiedlich.
- Sicht der Praktikantin: Die Ursache ist die ständige Kritik der anleitenden Person. Die Wirkung ist der eigene Rückzug. ("Ich ziehe mich zurück, weil du kritisierst.")
- Sicht der Anleiterin: Die Ursache ist die mangelnde Eigeninitiative (interpretiert aus dem Rückzug) der Praktikantin. Die Wirkung ist die eigene Kritik bzw. das verstärkte Anleiten. ("Ich kritisiere, weil du dich zurückziehst.")
- Teufelskreis: Keine der beiden Personen erkennt, dass ihr eigenes Verhalten gleichzeitig Ursache und Wirkung ist. Sie sehen sich jeweils nur als Reagierende auf das Verhalten des Gegenübers. Dadurch verstärken sich die Verhaltensweisen gegenseitig und es entsteht ein sich selbst erhaltender, negativer Kreislauf.
- Bezug zu Axiom 1 (Man kann nicht nicht kommunizieren): Der Rückzug der Praktikantin ist keine Kommunikationsverweigerung, sondern eine starke nonverbale Botschaft (Passivität, Unsicherheit, Desinteresse), die von der Anleiterin interpretiert wird.
- Bezug zu Axiom 2 (Inhalts- und Beziehungsaspekt): Die Störung liegt primär auf der Beziehungsebene. Auf der Inhaltsebene geht es um die Arbeitsleistung. Auf der Beziehungsebene geht es jedoch um fehlende Wertschätzung, Verunsicherung und Kontrolle. Die gestörte Beziehungsebene verhindert eine Lösung auf der Inhaltsebene.
2. Diagramm des Teufelskreises
Eine textbasierte Darstellung des zirkulären Prozesses:
- Startpunkt (beliebig):
- Die Anleiterin kritisiert.
- ↓
- Reaktion der Praktikantin:
- Fühlt sich verunsichert, zieht sich zurück, zeigt weniger Initiative.
- ↓
- Interpretation durch die Anleiterin:
- "Die Praktikantin ist passiv und unmotiviert."
- ↓
- Verstärkende Reaktion der Anleiterin:
- Kritisiert noch mehr, um die Initiative zu "erzwingen".
- ↓
- (Kreislauf schließt sich) Reaktion der Praktikantin:
- Fühlt sich noch stärker unter Druck gesetzt, zieht sich weiter zurück.
- … und so weiter.
3. Durchbrechen des Kreislaufs im professionellen Gespräch
- Metakommunikation einleiten: Das Gespräch muss von der Inhaltsebene ("deine Arbeitsleistung") auf die Beziehungsebene ("unsere Zusammenarbeit") gehoben werden. Dies durchbricht die festgefahrene Interpunktion nach Axiom 3.
- Beispiel: "Mir ist aufgefallen, dass wir in unserer Kommunikation aneinander vorbeireden. Ich würde gerne mit Ihnen darüber sprechen, wie wir unsere Zusammenarbeit verbessern können."
- Verwendung von Ich-Botschaften: Anstelle von Vorwürfen ("Sie kritisieren immer") sollte die eigene Wahrnehmung und das eigene Gefühl beschrieben werden. Dies reduziert die Verteidigungshaltung des Gegenübers.
- Beispiel (Praktikantin): "Wenn ich Feedback erhalte, fühle ich mich manchmal unsicher und ziehe mich deshalb zurück. Das ist nicht als Desinteresse gemeint."
- Beispiel (Anleiterin): "Ich mache mir Sorgen, wenn ich wenig Initiative von Ihnen sehe, und versuche dann durch Hinweise zu helfen. Ich merke, dass das vielleicht nicht der richtige Weg ist."
- Aktiver Perspektivwechsel: Die eigene Interpunktion des Kreislaufs bewusst verlassen und versuchen, die Sichtweise der anderen Person zu verstehen.
- Beispiel: "Wie nehmen Sie unsere Zusammenarbeit wahr? Was führt aus Ihrer Sicht dazu, dass Sie kritisieren / sich zurückziehen?"
- Fokus auf gemeinsame Ziele: Den Fokus von der Schuldfrage auf die gemeinsame Zukunft und die gemeinsamen Interessen lenken.
- Beispiel: "Wir wollen beide, dass dieses Praktikum für Sie ein Erfolg wird. Lassen Sie uns überlegen, was Sie von mir brauchen und was ich von Ihnen brauche, damit wir dieses Ziel erreichen."
- Beziehungsebene klären (Axiom 5): Die dysfunktionale komplementäre Beziehung (die eine Person aktiv/dominant, die andere Person passiv/untergeordnet) ansprechen und nach einer symmetrischeren, partnerschaftlicheren Interaktion auf Augenhöhe suchen.
- Beispiel: "Ich wünsche mir ein Betreuungsverhältnis, in dem Sie sich trauen, proaktiv Fragen zu stellen und auch Fehler zu machen."
Musterlösung
1. Reaktion auf die widersprüchliche Botschaft
Wenn eine pädagogische Fachkraft mit verschränkten Armen und finsterem Blick zu einem Kind sagt: "Komm her, ich hab dich lieb, du kannst mir vertrauen", geschieht Folgendes:
- Empfang einer Doppelbotschaft: Das Kind erhält zwei widersprüchliche Signale gleichzeitig.
- Digitale Ebene (verbal): Die Worte "ich hab dich lieb, du kannst mir vertrauen" signalisieren Zuneigung, Sicherheit und Einladung.
- Analoge Ebene (nonverbal): Die verschränkten Arme (Abwehr, Distanz) und der finstere Blick (Wut, Ablehnung) signalisieren das genaue Gegenteil.
- Konflikt zwischen Inhalts- und Beziehungsebene (Axiom 2): Der Inhalt der Aussage (digitale Ebene) wird durch die Körpersprache auf der Beziehungsebene (analoge Ebene) entwertet und als Lüge entlarvt.
- Dominanz der analogen Kommunikation: Besonders Kinder verlassen sich instinktiv stärker auf die analoge Kommunikation, da sie evolutionär älter und schwerer zu verfälschen ist. Das Kind wird der Körpersprache mehr Glauben schenken als den Worten.
- Resultierende Reaktion des Kindes: Das Kind wird wahrscheinlich mit Verwirrung, Angst, Misstrauen oder Rückzug reagieren. Es wird der Situation nicht trauen und der Aufforderung, näher zu kommen, nicht nachkommen. Die Beziehung zur Fachkraft wird nachhaltig gestört.
2. Definition: Inkongruente Kommunikation
- Definition: Inkongruente (nicht übereinstimmende) Kommunikation liegt vor, wenn die Botschaften, die über verschiedene Kanäle gesendet werden, sich widersprechen.
- Bezug auf Axiom 4: Gemäß dem 4. Axiom von Watzlawick findet eine Diskrepanz zwischen der digitalen Modalität (dem gesprochenen Wort, dem Inhalt) und der analogen Modalität (Körpersprache, Tonfall, Mimik) statt.
- Anwendung auf das Beispiel:
- Digitale Botschaft: "Ich bin dir zugewandt und vertrauenswürdig."
- Analoge Botschaft: "Ich lehne dich ab und bin dir feindselig gesinnt."
- Folge: Die Kommunikation ist nicht authentisch und erzeugt beim empfangenden Gegenüber Verwirrung und Unsicherheit, da unklar ist, welche Botschaft die gültige ist. Dies kann zu sogenannten "Double-Binds" (Doppelbindungen) und schweren Beziehungsstörungen führen.
3. Bedeutung der analogen Kommunikation in der Arbeit mit Kleinkindern oder Menschen mit Behinderung
Die analoge Kommunikation ist in diesen Arbeitsfeldern oft wichtiger, aus folgenden Gründen:
- Begrenzte digitale Kompetenz: Kleinkinder und manche Menschen mit Behinderung haben oft noch keine vollständig entwickelte oder eine eingeschränkte Fähigkeit, komplexe digitale Sprache zu verstehen und zu verarbeiten.
- Ursprünglichkeit und Authentizität: Die analoge Kommunikation ist die ursprünglichere Form der Verständigung. Sie transportiert Emotionen und Beziehungsinformationen direkter und wird als authentischer wahrgenommen. Man kann nicht nicht kommunizieren (Axiom 1), und die Körpersprache lügt selten.
- Definition der Beziehung (Axiom 2): Die Beziehungsebene, die für den Aufbau von Vertrauen, Sicherheit und Bindung entscheidend ist, wird fast ausschließlich analog definiert. Eine zugewandte Haltung, ein Lächeln oder eine sanfte Berührung vermitteln Sicherheit, auch wenn kein Wort gesprochen wird.
- Eindeutigkeit auf der Gefühlsebene: Obwohl analoge Kommunikation mehrdeutig sein kann (eine Träne kann aus Freude oder Trauer entstehen), ist sie im direkten Kontext oft eindeutiger im Ausdruck von grundlegenden Emotionen (Angst, Freude, Wut) als Worte, die missverstanden werden können.
Musterlösung
Einordnung der Gespräche (Axiom 5)
- Zwei Erzieher:innen planen das Sommerfest.
- Einordnung: Symmetrisch.
- Begründung: Die Beziehung der beiden Erzieher:innen basiert auf Gleichheit. Sie agieren auf der gleichen hierarchischen Ebene und streben danach, Unterschiede im Wissen oder in den Meinungen zu minimieren, um zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Ihr Verhalten ist spiegelbildlich (beide schlagen vor, diskutieren, planen).
- Eine Leitung führt ein Abmahnungsgespräch mit einem Mitarbeiter.
- Einordnung: Komplementär.
- Begründung: Die Beziehung ist durch Ungleichheit und ein klares Machtgefälle definiert. Die Leitung befindet sich in der superioren ("one-up") Position, der Mitarbeiter in der inferioren ("one-down") Position. Die Rollen (abmahnen vs. angehört werden) ergänzen sich gegenseitig und sind nicht austauschbar.
- Ein Kind bittet den Erzieher um Hilfe beim Schuhebinden.
- Einordnung: Komplementär.
- Begründung: Auch hier liegt eine auf Unterschiedlichkeit basierende Beziehung vor. Der Erzieher hat mehr Wissen und Fähigkeiten (kann Schuhe binden) und befindet sich in der helfenden, superioren Position. Das Kind ist in der hilfesuchenden, inferioren Position. Das Verhalten ist ergänzend (bitten vs. helfen).
Reflexionsaufgabe: Symmetrie in der pädagogischen Beziehung
Kann ein Gespräch zwischen Erzieher:in und Kind jemals vollkommen symmetrisch sein?
Nein, eine Beziehung zwischen Erzieher:in und Kind kann gemäß Axiom 5 von Watzlawick niemals vollkommen symmetrisch sein.
Begründung:
- Grundsätzlich komplementäre Struktur: Die pädagogische Beziehung ist von Natur aus komplementär. Sie basiert auf einem fundamentalen Unterschied in Verantwortung (Aufsichts- und Fürsorgepflicht der Erzieher:innen), Wissen, Lebenserfahrung und Macht. Diese strukturelle Ungleichheit lässt sich nicht aufheben.
- "Augenhöhe" und "Partizipation" als Gestaltungsprinzip: Die pädagogischen Prinzipien "Partizipation" und "Kommunikation auf Augenhöhe" zielen nicht darauf ab, die komplementäre Grundstruktur aufzulösen. Vielmehr beschreiben sie die Art und Weise, wie diese komplementäre Beziehung professionell und zum Wohl des Kindes gestaltet werden soll:
- Es geht darum, das Machtgefälle bewusst zu reduzieren und nicht auszunutzen.
- Der Erzieher / die Erzieherin begibt sich metaphorisch auf die Ebene des Kindes, um dessen Perspektive zu verstehen und wertzuschätzen.
- Dem Kind werden – im Rahmen der Möglichkeiten und Verantwortung – Mitbestimmungsrechte eingeräumt.
- Symmetrische Phasen sind möglich und wichtig: Innerhalb der komplementären Gesamtbeziehung können und sollen bewusst symmetrische Sequenzen geschaffen werden. Beispiele hierfür sind:
- Gemeinsames Lachen über einen Witz.
- Ein Gesellschaftsspiel, bei dem beide nach den gleichen Regeln spielen.
- Ein kreativer Prozess, bei dem beide gleichberechtigt Ideen einbringen.
- Diese symmetrischen Momente stärken die Beziehung, fördern das Selbstwertgefühl des Kindes und sind Ausdruck einer gesunden, flexiblen komplementären Beziehung.
- Fazit: Das Ziel ist keine unmögliche, vollständige Symmetrie, sondern eine gesunde Komplementarität. In dieser erkennt der Erzieher / die Erzieherin seine/ihre übergeordnete Verantwortung an, gestaltet die Beziehung aber respektvoll, partizipativ und lässt bewusst immer wieder symmetrische Interaktionen zu.
Musterlösung
1. Analyse der Situation anhand von drei Axiomen
1. Axiom: "Man kann nicht nicht kommunizieren."
- Der Vater kommuniziert nicht nur durch seine lauten Worte (verbale Kommunikation), sondern auch durch seine gesamte Körpersprache und sein Verhalten (nonverbale Kommunikation).
- Sein aufgebrachtes Auftreten, seine laute Stimme und die Wahl des Ortes (öffentlicher Flur) senden eine klare, unmissverständliche Botschaft von Wut, Unzufriedenheit und Vorwurf, selbst wenn er nichts sagen würde. Alle Anwesenden (andere Eltern, pädagogische Fachkräfte) nehmen diese Kommunikation wahr und reagieren darauf.
2. Axiom: "Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt."
- Inhaltsaspekt: Die sachliche Information lautet: "Die Matschhose meines Kindes ist verschwunden."
- Beziehungsaspekt: Dieser Aspekt dominiert die Situation massiv. Durch das laute Schimpfen teilt der Vater auf der Beziehungsebene mit: "Ich bin unzufrieden mit Ihrer Arbeit", "Sie sind unzuverlässig und passen nicht auf", "Ich fühle mich und mein Anliegen nicht ernst genommen." Die eigentliche Suche nach der Hose tritt in den Hintergrund, während der Beziehungs-Konflikt in den Vordergrund rückt.
4. Axiom: "Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten."
- Digitale Kommunikation: Die (vermuteten) Worte des Vaters, z. B. "Wo ist die Matschhose?". Dies ist der rein informative, sachliche Teil.
- Analoge Kommunikation: Die Art und Weise, wie er es sagt: die Lautstärke, der zornige Tonfall, die angespannte Körperhaltung, die Mimik. Diese analogen Signale transportieren die Emotionen und den Beziehungsaspekt. In dieser Situation überlagert die analoge Kommunikation die digitale vollständig und bestimmt die Wahrnehmung der Nachricht.
2. Störung der Kommunikation
- Die Kommunikation ist primär auf der Beziehungsebene (2. Axiom) gestört.
- Der Vater adressiert nicht nur das Sachthema (fehlende Hose), sondern greift die Fachkräfte auf der Beziehungsebene an, indem er ihre Kompetenz und Zuverlässigkeit öffentlich infrage stellt.
- Durch die Dominanz der analogen Kommunikation (4. Axiom) – also das laute und wütende Auftreten – wird eine sachliche Klärung (das Finden der Hose) zunächst unmöglich gemacht. Die emotionale Botschaft ("Ich bin wütend auf euch!") ist so stark, dass die inhaltliche Botschaft ("Bitte helft mir suchen.") kaum noch ankommt.
- Eine direkte Reaktion auf der Inhaltsebene (z. B. "Wir schauen sofort nach.") würde die emotionale und beziehungstechnische Ebene des Vaters ignorieren und die Situation wahrscheinlich weiter eskalieren lassen.
3. Professionelle, deeskalierende Reaktion der Fachkraft
Die Reaktion der Fachkraft sollte gezielt die gestörte Beziehungsebene ansprechen, um den Weg für eine Lösung auf der Inhaltsebene freizumachen.
Schritt 1: Die Beziehungsebene anerkennen (Bezug zu Axiom 2)
- Die Fachkraft geht aktiv auf den Vater zu, sucht Blickkontakt und signalisiert Verständnis für seine Emotionen.
- Mögliche Formulierung: "Guten Tag, Herr Mustermann. Ich sehe, Sie sind sehr aufgebracht, und ich kann Ihren Ärger gut verstehen. Es ist absolut ärgerlich, wenn Sachen des Kindes nicht auffindbar sind."
- Wirkung: Dies validiert die Gefühle des Vaters. Er fühlt sich in seiner Emotion (Beziehungsebene) ernst genommen, was deeskalierend wirkt.
Schritt 2: Den Rahmen der Kommunikation verändern (Bezug zu Axiom 4)
- Die Fachkraft schlägt vor, das Gespräch an einem ruhigeren, privaten Ort fortzusetzen, um die öffentliche (analoge) "Bühne" zu verlassen.
- Mögliche Formulierung: "Damit wir das in Ruhe klären können, kommen Sie bitte kurz mit mir ins Büro. Hier im Flur vor allen anderen ist das schwierig."
- Wirkung: Die Veränderung des Ortes reduziert den Druck und die nonverbalen, eskalierenden Effekte der öffentlichen Szene.
Schritt 3: Zur Inhaltsebene zurückkehren (Bezug zu Axiom 2)
- Im geschützten Raum kann die Fachkraft nun das eigentliche Problem sachlich angehen.
- Mögliche Formulierung: "So, jetzt lassen Sie uns gemeinsam überlegen. Wo haben Sie zuletzt die Matschhose gesehen? Wir werden alles tun, um sie zu finden und das Problem zu lösen."
- Wirkung: Nachdem die Beziehungsebene geklärt bzw. beruhigt wurde, ist der Vater empfänglicher für eine sachliche, lösungsorientierte Kommunikation.