Ein Projekt in der Jugendgruppe – Gruppenentwicklung nach Tuckman

Ein Projekt in der Jugendgruppe – Gruppenentwicklung nach Tuckman

Zielsetzung:

Das Arbeitsblatt zielt darauf ab, Schüler:innen das Modell der Gruppenentwicklung nach Tuckman verständlich zu machen und ihnen zu ermöglichen, Gruppenprozesse in pädagogischen Praxissituationen zu erkennen, einzuordnen und kritisch zu reflektieren. Dabei sollen sie lernen, typische Phasen der Gruppenentwicklung zu identifizieren und ihre Bedeutung für die pädagogische Begleitung von Gruppen zu verstehen.


Inhalte und Methoden:

Das Arbeitsblatt behandelt die fünf Phasen der Gruppenentwicklung nach Tuckman (Forming, Storming, Norming, Performing, Adjourning) anhand eines praxisnahen Fallbeispiels aus einem Jugendzentrum, in dem Jugendliche gemeinsam ein Projekt planen. Methodisch werden eine Informationsgrafik zum Modell, eine Zuordnungsaufgabe zu den Phasen der Gruppenentwicklung, Partnerarbeit zur Einschätzung pädagogischer Unterstützungsbedarfe sowie eine kritische Reflexionsaufgabe eingesetzt. Abschließend erfolgt eine Selbsteinschätzung des eigenen Lernstandes.


Kompetenzen:

  • Fachwissen über Gruppenentwicklung und die Phasen nach Tuckman
  • Analyse und Einordnung von Gruppenprozessen in praxisnahen Situationen
  • Reflexionsfähigkeit hinsichtlich der Rolle pädagogischer Fachkräfte in Gruppenprozessen
  • Kooperation und Austausch in Partnerarbeit
  • Kritisches Denken im Umgang mit theoretischen Modellen


Zielgruppe und Niveau:

Auszubildende im sozialpädagogischen Bereich (z. B. angehende Erzieher:innen) im mittleren bis fortgeschrittenen Ausbildungsniveau

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Target group and level

Auszubildende im sozialpädagogischen Bereich

Subjects

Social PedagogyPsychologyPedagogy

Ein Projekt in der Jugendgruppe – Gruppenentwicklung nach Tuckman

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🌟Rahmensituation

Im Jugendzentrum „Treffpunkt Mitte“ trifft sich wöchentlich eine feste Jugendgruppe im Alter von 14 bis 17 Jahren. Die Gruppe besteht aus etwa zwölf Jugendlichen mit unterschiedlichen Interessen, Stärken und kulturellen Hintergründen. Einige engagieren sich aktiv und bringen viele Ideen ein, andere beteiligen sich eher zurückhaltend.


Sie absolvieren dort Ihr Praktikum im Rahmen Ihrer Ausbildung zum Erzieher / zur Erzieherin und begleiten die Gruppe bereits seit mehreren Wochen. Ziel der pädagogischen Arbeit im Jugendzentrum ist es, Selbstständigkeit, Verantwortungsübernahme, Teamfähigkeit und Mitbestimmung der Jugendlichen zu fördern.


In Ihrer Rolle als Auszubildende:r übernehmen Sie unter Anleitung Verantwortung für einzelne Angebote und begleiten Gruppenprozesse unterstützend. Dabei schaffen Sie gemeinsam mit Ihrer Praxisanleitung Rahmenbedingungen, in denen Jugendliche eigene Ideen entwickeln und gemeinschaftlich Entscheidungen treffen können.


Im nächsten Schritt möchte die Jugendgruppe gemeinsam ein Projekt planen und umsetzen. Während der Planung und Durchführung entwickeln sich unterschiedliche Gruppenprozesse. Diese lassen sich mithilfe des in Ihrer Ausbildung kennengelernten Modells der Gruppenentwicklung nach Tuckman einordnen. Zur Unterstützung steht Ihnen eine Informationsgrafik zum Modell zur Verfügung.

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📋Arbeitsauftrag

Lesen Sie die folgende Lernsituation aufmerksam. Ordnen Sie anschließend die einzelnen Abschnitte den passenden Phasen der Gruppenentwicklung nach Tuckman zu. Nutzen Sie dafür die bereitgestellte interaktive Informationsgrafik.

📋Ordnen Sie die Phasen der Gruppenentwicklung den Phasen der Projektarbeit zu

✏️ Arbeitsmaterial - Informationsgrafik

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📋Arbeitsauftrag

Arbeiten Sie in Partnerarbeit 👯

Betrachten Sie die fünf Phasen der Gruppenentwicklung nach Tuckman (Forming, Storming, Norming, Performing, Adjourning) in Verbindung mit dem Praxisbeispiel.


Überlegen Sie gemeinsam, wie Sie als pädagogische Fachkraft die Gruppe in jeder Phase sinnvoll begleiten und unterstützen können.


Gehen Sie dabei in zwei Schritten vor:

  1. Bewerten Sie für jede Phase auf einer Skala von 1 bis 5, wie stark die pädagogische Fachkraft die Gruppe unterstützen und anleiten sollte. Überlegen Sie dabei auch, ob es Phasen gibt, in denen sich die Fachkraft eher zurücknehmen sollte, damit die Gruppe selbstständiger arbeiten und eigene Lösungen entwickeln kann. (1= sehr geringer Unterstützungs- und Anleitungsbedarf, 5 =sehr hoher Unterstützungs- und Anleitungsbedarf.)
  2. Notieren Sie anschließend zu jeder Phase eine konkrete Idee, wie die Fachkraft die Gruppe im Fallbeispiel begleiten oder unterstützen kann, damit sich die Gruppe weiterentwickeln kann.


Tragen Sie Ihre Überlegungen in die untenstehende Tabelle ein ✏️

Tuckman-Phase Unterstützungs- und Anleitungsbedarf (1–5) Idee zur Begleitung / Unterstützung im Fallbeispiel
Forming
Storming
Norming
Performing
Adjourning
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🧑🏼‍🏫Hinweise für die Lehrkraft

Hier findest du ein Beispiel, wie die Tabelle ausgefüllt werden kann.

Tuckman-Phase Unterstützungs- und Anleitungsbedarf (1–5) Mögliche Begleitung / Unterstützung
Forming 4 Moderation der Ideenfindung und Unterstützung bei der Strukturierung erster Pläne (z.B. durch Brainstorming auf Moderationskarten und anschließendes Clustern der Projektideen)
Storming 5 Konfliktmoderation und Unterstützung bei der Entscheidungsfindung (z.B. durch Abstimmungen oder Diskussionen moderieren)
Norming 3 Begleitung bei der Rollenverteilung und Aufgabenpriorisierung (z.B. durch gemeinsame Erstellung von Aufgabenlisten und Zeitplänen)
Performing 2 Unterstützung bei der Umsetzung und Sicherstellung der Ressourcenverfügbarkeit (z.B. durch Bereitstellung von Materialien und technischem Equipment)
Adjourning 3 Durchführung einer Abschlussreflexion und Planung zukünftiger Projekte (z.B. durch Feedbackrunden und Ideensammlung für nächste Schritte)
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📋Arbeitsauftrag

Anders als geplant kommt es in der Gruppe kurz vor dem Abschluss des Projekts noch einmal zu Komplikationen.

Lesen Sie den nächsten Abschnitt aufmerksam durch.


Setzen Sie sich anschließend kritisch mit dem Modell der Gruppenentwicklung nach Tuckman auseinander.


Überlegen Sie dabei:

  • Was zeigt dieses Beispiel über die tatsächliche Entwicklung von Gruppen?
  • Inwiefern verlaufen Gruppenprozesse in der Praxis möglicherweise anders als im Modell dargestellt?


Halten Sie zum Abschluss ihre Überlegungen schriftlich fest.

Eine Woche vor der Kleidertauschbörse fällt Amir, der für die Werbung zuständig ist, krankheitsbedingt aus. Die Gruppe muss seine Aufgaben schnell neu verteilen, um die Veranstaltung rechtzeitig zu bewerben. Fatima und Samira beschließen, die Verantwortung zu übernehmen und treffen Entscheidungen, ohne die gesamte Gruppe einzubeziehen. Einige Jugendliche fühlen sich dadurch ausgeschlossen und sind verunsichert, ob ihre Beiträge noch gefragt sind. Die Stimmung in der Gruppe wird unruhiger, obwohl zuvor eine gute Zusammenarbeit herrschte. In einem weiteren Treffen wird das Thema offen angesprochen, und die Gruppe findet gemeinsam Lösungen, um die Planung zu optimieren und die Aufgaben gerecht zu verteilen.

✏️Hier ist Platz für Ihre Notizen.

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🧑🏼‍🏫Hinweise für die Lehrkraft

Hier findest du Ansätze für mögliche Reflexionsergebnisse.

Tatsächliche Entwicklung von Gruppen

  • Das Fallbeispiel zeigt, dass Gruppenprozesse oft unvorhersehbar sind und nicht immer linear verlaufen.
  • Obwohl die Gruppe vorher gut zusammengearbeitet hat, kann ein unerwartetes Ereignis wie Amirs Krankheit die Dynamik stören und neue Konflikte auslösen.
  • Es wird deutlich, dass die Verantwortung schnell neu verteilt werden muss, um den Erfolg des Projekts nicht zu gefährden.

Unterschiede zwischen Theorie und Praxis

  • In Modellen werden Gruppenprozesse oft als klare Phasen dargestellt, doch in der Praxis gibt es oft Rückschritte oder unerwartete Änderungen.
  • Fatima und Samira übernehmen die Aufgaben ohne Konsultation der gesamten Gruppe, was zeigt, dass Entscheidungsprozesse nicht immer demokratisch oder transparent sind.
  • Das Beispiel verdeutlicht, dass Konflikte und Gefühle des Ausschlusses entstehen können, die im theoretischen Modell nicht immer berücksichtigt werden.
  • Die offene Ansprache des Problems und die gemeinsame Lösungsfindung zeigen, dass Flexibilität und Kommunikation entscheidend sind, um Herausforderungen zu bewältigen.

📊 Reflexion: Tuckmans Modell der Gruppenentwicklung

Kreuzen Sie für jede Aussage an, wie gut Sie das Thema heute verstanden haben:

Aussage ❓ Verstehe ich noch nicht 🟡 Teilweise verstanden ✅ Gut verstanden
Ich kann die fünf Phasen nach Tuckman in der richtigen Reihenfolge benennen und kurz erklären.
Ich kann an einem Beispiel erkennen, in welcher Phase sich eine Gruppe gerade befindet.
Ich kann erklären, warum Gruppen nicht immer streng nach der Reihenfolge der Phasen verlaufen.